Aig. du Tour

Wie vor zwei Jahren, machten J und ich uns auf den langen Weg in Richtung Champex. Vier Stunden Fahrt und fünf mal umsteigen inklusive.

Wir wollten in die Cabane d'Orny, in welcher Caro ihren Fels&Eis Kurs absolvierte. Das Ziel für den nächsten Tag, war der Aiguille du Tour via arète de la table. Eine ZS- Angelegenheit, in einer Gegend die wir bereits kennen. Denn der Nachbar des Tour ist der Purtscheller und an den haben wir ja grossartige Erinnerungen.

Kurz nach vier Uhr machten wir uns auf den Weg. Ein kurzer Abstieg auf den Gletscher und dann ging das gewatschel los. Eine Stunde bis auf den ersten Sattel, dem Col d'Orny. Von da eine weitere Stunde bis in den Col Superieur de Tour. Es folgt ein kurzer Abstieg über Felsen, in ein bereits relativ steiles Couloir. Da dies aber der Normalweg der Franzosen ist, hat es wunderbare Tritte. Nach den knapp 200m Abstieg, drehten wir nacht rechts und begannen mit dem Aufstieg in das bis zu 45Grad steile zustiegs Coulouir. Eine dreier Seilschaft befand sich bereits im Aufstieg, also nahmen wir uns ein wenig Zeit um nicht direkt in der Falllinie sein zu müssen.

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Unser alter Bekannter, Aig. Purtscheller.

Das Couloir wird gegen Ende auf den letzten Metern richtig steil, aber dank den guten Verhältnissen, ging alles problemlos. Ausser dem ständigen rieseln von kleinen Steinchen und Sand, dass von oben als Geschenk für uns losgetreten wurde. Kein Vorwurf an unsere drei Freunde, denn der Tour ist ein elender Sandhügel. Soviel zu den Erinnerungen an den Purtscheller, von nun an waren wir am Strand.

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Das Couloir von unten, wie immer, unspektakulär auf Fotos. Ganz links am Ende sieht man die Italiener.

Bereits beim ersten Felskontakt stellten wir verblüfft fest: "Sand?". Ich kletterte vorsichtig die ersten Meter hoch, weg vom Eis. Gesichert mit einem Friend und einer Schlinge. Von da an ging es in einfachem Gehgelände, mit kurzen Klettereinlagen weiter nach oben an die Gratkante.

Die dreier Seilschaft entschied sich bald schon in die linke Flanke auszuweichen, während wir, der richtigen Route folgend, nach rechts unten auswichen. Hier wartet zumindest der spannendste Abschnitt. In einer Scharte nach oben, 4b. Wie schon am Purtscheller, hat es auch hier keine Bolts. Also alles selbst absichern. Dank vielen Zacken und Rissen aber kein Problem.

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J in einem einfacheren Abschnitt.

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Die dreier Seilschaft, während einer Pause auf dem Table.

Wir erreichten, den nun herrlich schmalen Gipfelgrat, schon bald. Herrlich ausgesetzt, turnten wir nun am laufenden Seil, wie übrigens fast die ganze Tour, über die spitzigen Zacken. Sichern muss man bei all der Seilreibung nicht mehr, sicherer kann es nicht werden.

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Chilliges gekraxel am Grat.

Nach einer kurzen Abseilstelle, zieht sich der Grat dann in relativ einfachen Gelände noch lange weiter nach oben. J war den ganzen Abschnitt im Lead und legte kaum mehr als 4 Schlingen.

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Auf dem Gipfel.

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Tolle Aussicht.

Nach ein wenig Sonne tanken, wir kletterten bisher fast ausschliesslich im Schatten, machten wir uns auf den kurzen Abstieg auf den Gletscher. Auch hier, sandig und brüchig. Bald schon hatten wir aber genug von der Sonne. Brennend heiss wurden wir während der Querung des Plateau du Trient, grilliert. Zusammen mit dem weichen und zerfurchten Schnee, eine Tortour. Speziell für J's rekonvaleszenten Fuss.

Die Erkenntnisse dieser Tour sind einfach zusammengefasst; Nur weil der Nachbarberg guten Fels hat, heisst das nicht es ist hier auch so.