Aiguille Purtscheller

Nach all den prestige Bergen wollten Jeannine und ich eigentlich auch noch aufs Weisshorn, also no bizzeli meh prestige. Aber dann kam hald wiedermal Neuschnee, also wurde dieser Plan vertagt und wir fanden eine klingende Alternative. Aiguille Purtscheller. Kennt wohl kein Schwein, aber wir schon. Ein geiler Granit Gipfel im Mont Blanc Massiv. Für mich Neuland, noch nie wahr ich in der Gegend in den Bergen.

Die lange Anfahrt, von über 4 Stunden nervt dann auch ein wenig, aber man weiss ja für was man das auf sich nimmt. Mit dem Skilift gehts noch gemütliche 1000hm hoch und dann an der Orny Hütte vorbei zur Cabane du Trient. Wie immer waren wir zügig am Ziel und konnten erstmals die Gegend bestaunen.
Small image

Small image

Um fünf Uhr gabs Frühstück in der wenig sympathischen Hütte. Immer wieder zum kotzen, wie mies die Stimmung in Walliser Hütten ist. Die Crews sind ewig mürrisch und das Essen oft schlecht, kalt oder zu wenig. Aber egal, schliesslich hatten wir ein grossartiges Ziel vor uns. Knapp 3km über den Gletscher geheizt, ohne Steigeisen und Stirnlampen. Wir näherten uns dem Ziel.

Small image

Small image
Von links nach rechts wird geklettert.

Um auf den Fels zu gelangen mussten wir erst eine kurze steilere Eis/Schnee Passage überwinden. Dazu musste ich mit dem Pickel einige Tritte schlagen, um (immer noch ohne Steigeisen) sicher an den Fels zu kommen. Wie immer hat es beim Übergang eine Art Schrund, welche zur Überquerung ein wenig Erfahrung verlangt. Nach knapp 1.5h waren wir am Einstieg, in die erste Seillänge. 5a, nicht gerade ideal für einen Kaltstart. Jeannine war aber in Topform und rockte im Vorstieg. Ich nahm dafür ihre Bergschuhe zu mir in den Rucksack, denn wir kletterten in Finken. Wie immer also spannten wir perfekt zusammen und ergänzten uns wo es geht. Sie als starke und bessere Klettererin, übernahm den psychisch strapazierenden Teil, während ich den Lastesel spielte und die Routen gesichert hoch rannte. Wir waren uns aber einig, die Bewertung der Klettergrade ist ziemlich heftig. Die zweite Länge war eine 4b und shit war das schwierig. Dazu sei noch erwähnt, es hat keine Bohrhaken, alles wird selbst abgesichert, ausser einige der Stände. Meine miesen Risskletterfähigkeiten (scheiss Artrosefüsse sei dank) waren auch nicht gerade eine Hilfe, Schmerzen ohne Ende.

Small image
1 Gendarm, hier wird abgeseilt.

Nach der kurzen Abseilstelle, wartete eine weitere 4b, diesmal waren wir uns einig, der Grad stimmte. Danach eine kurze einfache Passage, rüber zu einem grösseren Platz an der Sonne, welchen wir für eine Verpflegung und Erleichterungspause nutzten. Und hier wartete die Krux der Tour. Eine 5a Verschneidung, welche im Piaz Stil geklettert werden muss. Recht gut absicherbar, mit Schlingen im unteren Teil, dann oben raus um die Klemmblöcke, alles nicht mehr ganz so einfach.
Small image
Die Verschneidung von unten. ca. 35m lang/hoch)

Mit meinem schweren Rucksack, brauchte ich all meine Kraft und piazte mich lustig fröhlich nach oben. Ohne extra Gewicht, wäre das bestimmt eine schönere Kletterei, aber auch so machte es einen riesen Spass. In der Hälfte musste Jeannine ihren Rucksack zurücklassen und ich band ihn im Nachstieg an eines meiner Seile und sie hiefte ihn nach oben. Meinen Rucksack fixierte ich an meinem Seil leicht oberhalb von mir und schwang mich über die Blöcke nach oben. Dank meiner Grösse konnte ich mich einiges problemloser als Jeannine, zwischen den Wänden einklemmen und sitzend nach oben drücken. Danach folgten noch zwei leichtere Seillängen mit 3a und 3c.

Small image
Jeannine in der finalen Seillänge direkt unter dem Gipfel. (fast ganz oben im Schatten)

Nach ca. 6.5h waren wir oben und machten uns sogleich an den Abstieg welcher aus zwei langen Abseilaktionen bestand. Der Gipfel ist schmal und hat kaum Platz zum rumsitzen, plus zog der Wind ordentlich über unsere Köpfe.
Small image

Jeannine machte sich sogleich an die erste Abseilaktion und verschwand unter dem Gipfel aus meiner Sicht. Ich hörte durch den Wind nichts mehr von ihr und prüfte ab und zu den Seilzug, um zu testen ob ich nachkommen konnte. Die Zeit verstrich und ich fragte mich was wohl das Problem ist. Als ich mich dann endlich auch nach unten schwingen konnte, fand ich Jeannine auf einem kleinen Vorsprung sitzend, aber nicht an einem Standplatz gesichert. Sie blickte zu mir hoch und sagte nur, "Der scheiss Stand ist hier oben und ich komm da nicht ran, ich hoffe du schaffst das." Und tatsächlich, etwa 2.5m über dem Vorsprung, war ein Stand gebohrt. Selten dämlich, denn ausser mir wird den wohl kaum jemand erreichen. Also schwang ich mich erstmal zu ihr rüber (Eis machte das ganze noch gefährlicher) und sicherte eine Schlinge im Stand, in welche Sie sich einhängen und endlich sichern konnte. Glücklicherweise entdeckte ich zehn Meter nach rechts, eine weitere neu geschraubte Abseilstelle und schwang mich dort hin und sicherte mich da. Ich begann die beiden Halbseile abzuziehen und, es kam wie immer. Der Knoten, welcher die Seile verbindet verhakte sich. Mit ganzer Kraft zog ich am Seil und hängte mich rein, nichts ging mehr. Wir wollten gerade ausmachen wer hochklettert, als ich mit hin und herziehen der beiden Seile und sonstigen lustigen Schwingbewegungen, den Knoten wieder lösen konnte und er erschien über der letzten grossen Kante, SIEG. Die zweite Länge ging dann unspektakulär vorüber und wir waren zurück auf dem Gletscher.

Wir rannten mehr oder weniger runter zu unserem Depot, welches wir in der Nacht unterhalb der Hütte errichteten und steuerten weiter nach unten, Richtung Sessellift. Beim einsteigen auf den Sessel, fiel mir dann noch mein Portmonee aus dem Hosensack und ich musste nochmals mit der Bahn hoch und runter, was eine extra halbe Stunde brauchte und so verpassten wir den Bus. Zum Glück fährt nur alle 2h ein Bus, verdammt. Um halb zehn Abends waren wir finally in Zürich, Müde aber super Happy, ob dieser grandiosen unbekannten und ganz sicher nicht prestigeträchtigen Tour.