Chammliberg
Nach unserem Misserfolg am Wildhorn, eländi Gwitter, wollten J und ich doch noch etwas lustiges machen. Irgendwie entschieden wir uns für den Chammliberg oberhalb des Klausenpasses. Den Aufstieg vom Klausenpass kenne ich bereits zur genüge, aber was solls, schliesslich erschien mir die Überschreitung des Chammlibergs als lohnendes Ziel.
Morgens um halb 5 fuhren wir in Zürich mit dem Auto los und konnten um 6.15 Uhr bereits starten. Die knapp 2h bis zur Chammlilücke sind unspektakulär, dafür bereits mit einer schönen Aussicht geschmückt.
Die Wolken hingen tief, sodass wir kaum bis zum Einstieg sahen. Wir waren aber weiterhin guter Hoffnung, dass die Wolken sich noch verziehen werden, man glaubt ja dem Wetterbericht weiterhin. Und so kam es auch, beim Einstieg in die erste Seillänge begann sich das Wetter zu bessern.

Die erste Seillänge.
Nach den ersten zwei kurzen Seillänge folgt eine Querung im Gehgelände, welche ich zur Erleichterung nutzte. Es folgten einige Weitere kurze Seillängen, maximal 2b. Die Schwierigkeiten liegen eher im brüchigen Fels und all dem Schutt der rumliegt. Als Vorsteiger, muss man extrem aufpassen um nicht seinen Partner zu bombardieren und die wenigen Schlaghaken entdeckt man auch nur erschwert in all dem Geröll.

Der grosse Gipfelaufschwung.
Nach etwas mehr als vier Stunden standen wir pünktlich auf dem Gipfel und genossen das Panorama. Gemäss dem Gipfelbuch war tatsächlich am Vortag eine Seilschaft hier oben. Insgesamt aber waren wir wohl die dritten dieses Jahr. Es stimmt also, der Chammliberg wird sehr selten begangen. Schade eigentlich, denn es ist durchaus interessant.
Nach einem kurzen Abstieg folgt die Grat Querung zum Nordgipfel. Ein kurzer Abschnitt auf einem Firnfeld und ein längerer Abschnitt auf gutem Fels. Der Tiefblick nach rechts auf den Hüfifirn ist beeindruckend, ca. 200 Meter steil runter. Wir kamen schnell voran, in diesem einfachen, maximal 2er Gelände, konnten wir alles am laufenden Seil klettern.


Auf dem Grat. Gemütliche Kletterei und dank Bohrhaken, meist gut gesichert.

Nordgipfel ahoi.
Der Abstieg bietet dann noch ein wenig extra Spannung. Das schuttige Gelände verlangt einiges an Vorsicht, ausgesetzt ist es immer noch. Den ersten Abseilstand fanden wir, waren uns aber erst nicht sicher, ob dies nun wirklich der erste der drei Abseilstände ist. Nach kurzer Konsultation des Topos konnte das Abseilen beginnen. Da wir beide unsere ATC's nicht dabei hatten, hiess es mit Halbmastwürfen abseilen. Mag ich nicht, scheiss Kringel und Seilgewurstel. Nächstes mal doch besser wieder das ATC mitnehmen, so schwer ist es ja nicht.
Beim zweiten Abseilstand passierte das, was wir schon erwartet hatten. Der Kalk am Chammliberg ist extrem scharfkantig und das Seil verhängte sich beim abziehen perfekt. Ich kletterte einige Meter hoch um es zu lösen. Zum Glück verhakte es sich nicht weiter oben.
Die letzte Seillänge endet direkt im Bergschrund an der Felswand. Nach etwa der Hälfte konnte ich sehen wie breit der Schrund ist und musste eine Pause einlegen um meinen Pickel vom Rucksack zu kramen. Unten angekommen, musste ich mich von der Felswand abstossen und mit versuchen mit dem Pickel die Kante des Firns zu erwischen um mich rüber zu ziehen. Schon einige Male hab ich das gemacht, doch der Schrund war mal wirklich gross. Und als kleines extra war der Schnee in der Sonne derart glitschig, dass man kaum halt fand. Erst wollte ich eine Plattform schlagen um von dort dann das Seil abziehen zu können. Nichts ging, der Schnee glitt immer ab. J zog oben in der Zwischenzeit die Steigeisen an um es hoffentlich einfacher zu haben. Ich wartete unten auf der Kante des Schrundes stehend. J, die nicht ganz so lange ist wie ich, hatte erst Mühe die Firnkante überhaupt zu erreichen, ich half ihr so gut es ging und sie schob sich auf den Firn. Ich zog noch das Seil ab und liess es die steile Firnwand runter gleiten und machte mich dann vorsichtig an den Abstieg. Nicht das es gefährlich wäre, das Wändlein flacht unten aus, aber man will ja trotzdem nicht unkontrolliert 20m runterrutschen und sich überall aufkratzen.
Der Chammliberg, wie bereits erwähnt wird wenig begangen, kann ich nicht verstehen. Im Gegensatz zur Clariden neben an, birgt der Berg viel mehr Ruhe und keinen Semi-Klettersteig.