Chli Bielenhorn via Schildkröttligrat
Kaum fünf Tage waren seit der letzten Tour am Furka vergangen und schon war ich wieder hier. Glücklicherweise konnte Caro spontan am Freitag frei nehmen, denn das Wetter für Sonntag sah schlecht aus. Wir planten den Schildkröttligrat auf das Chli Bielenhorn zu durchsteigen. Für Caro sollte das die letzte Vorbereitung für Ihren Fels und Eis Kurs beim SAC sein.
Da die Busse immer noch nicht fahren mussten wir ein Auto organisieren, zum Glück hat man gute Kontakte. Da ich aber das betreffende Auto sehr ungern fahre, musste Caro die 2h Fahrt übernehmen.
Der Weg in die Sidelenhütte ist kurz und somit waren wir nach etwa einer Stunde laufen gemütlich vor der Hütte in der Sonne platziert. Erstaunlicherweise hatte es ziemlich viele Leute, aber niemand wollte auf unsere Route, was mir natürlich passte.
Gemütlich um sieben Uhr war tagwach. Der Zustieg liegt nur knapp 20 Minuten von der Hütte entfernt, sodass man auf die Sonne warten kann. In der Nacht wurde es ziemlich kalt, der Schnee war hart gefroren und wir starteten mit den Steigeisen. Gemütlich stiegen wir empor und fanden, auch dank Spuren im Schnee, den Einstieg sofort.

Die ungefähre Route im Überblick.
Die Kletterei beginnt gemäss Topo mit 4a, was ich übertrieben finde. Die ersten zwei Züge sind ein wenig strenger, danach ist man eigentlich sofort in blockigem Gelände und kraxxelt mehr als man klettert. Danach folgt ein kurzer Abschnitt am kurzen Seil, hoch an die Gratkante. Nun konnten wir den Blick runter auf den Furkapass und vor allem die Sonne geniessen. Eine erste spannende Seillänge folgt nun auf der Schattenseite des Grates. Gute Griffe sind immer vorhanden, jedoch muss man sich langsam daran gewöhnen auf Reibung zu stehen. Und das in Bergschuhen versteht sich. Caro meisterte die Seillänge mehr oder weniger problemlos, erwähnte dann aber schon, dass der Unterschied zum Finkenklettern doch ziemlich gross ist. Zwischendurch versuchte ich ihr einige Dinge zu erklären und zu zeigen. Einige Tipps und Tricks welche ich von Bergführern übernehmen konnte und mir heute helfen.
Nach einigen weiteren einfacheren Abschnitten, standen wir vor der sogenannten Klagemauer. Eine etwa 4m hohe Wand, mit 7a bewertet. Nichts was man einfach so rasch in Bergschuhen klettert. Deshalb hat es auch in kurzen Abständen Bolts, welche es einem erlauben mit Hilfsmitteln technisch zu klettern. Das bedeutet man baut sich Trittschlingen für Füsse und Hände um sich daran hochzuziehen. Das ganze sieht bescheuert aus, man wackelt rum und fühlt sich nicht sehr stabil. Es funktioniert aber wunderbar und man kann so eine ansonsten viel zu schwierige Stelle, relativ einfach überwinden. Auch Caro kämpfte sich hoch, erst ganz leicht und dann doch ein wenig zappelnd und mötzelnd. Langsam schien sie sich an diese Welt zu gewöhnen, in welcher man auch mal den Fels beleidigt.

Caro und die Schildkröte.
Nun passierten wir einen Zacken, den ich noch gut kenne. In meinem ersten Ausflug hier oben vor zwei Jahren, im Rahmen des Clean Climbing Kurses, mussten wir hier vom Grat flüchten. Ein Gewitter kam uns zu Nahe und meine Stöcke begannen ob der Spannung in der Luft, zu surren. Diesmal, bei perfektem Sonnenschein und blauem Himmel, war diese keine Sorge mehr. Wir kamen weiterhin gut voran, bis wir uns auf einem einfach Geh-Abschnitt zu weit nach rechts bewegten. Kurz waren wir unsicher wie es weitergeht, doch nach kurzem suchen fanden wir die Route wieder.

Blick auf den Gratverlauf.
In einem der letzten Abschnitte hörte ich dann Caro von unten sagen, wie toll der Fels hier doch zu klettern sei und wie viel Spass das mache. Leider wurde diese Freude kurze Zeit später getrübt, als Sie sich bei einer Stelle schwer tat. Ein anstrengender Zug, mit guter Tiefsicht wurde ihr ärgster Gegner. Doch auch diesen Abschnitt konnte Sie schlussendlich überwinden und schon bald standen wir auf dem Gipfel.
Wir legten uns in die Sonne, verpflegten uns und genossen die fantastische Aussicht. Das Weisshorn und auch der Spitz des Matterhorns ragten weit in der Ferne aus einem Wolkenmeer, was für ein Anblick.

Back to Gipfelclowing.
Der Abstieg war dank des vielen Schnees gemütlich und Gelenk schonend und schon bald waren wir zufrieden auf dem Heimweg. Eine erfolgreiche Tour bei Traum Verhältnissen, was will man mehr.