Cima dal Cantun mit Caro
Mal was neues, in mehreren Belangen. Neue Seilpartnerin, Caro, neues Gebiet, das Bergell.
Schon lange wollte ich mal einen Abstecher ins Bergell machen, endlich kam ich dazu, leider genau einige Tage nach dem Bergsturz im Nachbartal. Relativ spontan fanden Caro und ich doch noch einen Termin, für ihre allererste Hochtour. Einige Teile der Ausrüstung musste sie erst noch mieten.
Ich dachte, die Tour auf den Cima dal Cantun wäre ideal. Nicht zu weit, nicht zu viele Höhenmeter, ein wenig leichtes Kraxeln am Grat, ein wenig Gletscher und am Schluss die Seilbahn. Fast alles hätte gestimmt, leider nur fast.
Die Albigniahütte ist herrlich gelegen, oberhalb eines Stausees und leicht zu erreichen von der Seilbahn aus. Also war unser Anreisetag gemütlich und wir waren relaxed. Die Hütte wird wohl eher von Kletterern frequentiert, wir waren die einzigen die auf eine Hochtour wollten.

Aussicht von der Hütte. (Links das helle Schuttband hoch, dann auf dem Gras querend weiter und links um die Felsen).
Um fünf Uhr machten wir uns auf die Socken. Zuerst einmal 200m runter an den See, im Wissen, dass wir diesen Gegenaufstieg am Schluss machen werden müssen, argggg. Danach geht es eine steile Rinne empor. Der Weg ist meist recht gut ersichtlich und wir kamen gut voran. Es folgt eine ausgesetzte Querung unter einer Felswand durch.
Nach etwas mehr als 1.5h konnten wir das erste mal den Gletscher sehen und da hinterfragte ich langsam meine Planung. Der Gletscher sah hässlich aus, aper und völlig verspaltet. Der Weg über die 'Moräne' war auch nicht wie ich sie anhand der Karte erwartet hätte. Eine Granitmoräne, alles Auto-sized Blöcke in wirren durcheinander. Anstrengend und fordernd.

Nach dem Abstieg der Blick zurück auf den Gletscher. (Die ungefähre Route).
Endlich am Gletscher montierten wir unser Material und zum ersten mal stand Caro auf einem Gletscher. Gleich mussten wir ein paar Spalten umschiffen und überqueren. Nach einem kurzen steileren Stück flacht der Gletscher ab und gibt den Blick frei auf den grösseren steileren Abschnitt. Ziemlich aper aber wenigstens da keine Spalten. Ich stieg möglichst gerade empor und visierte ein Schneefeld an. Vor dem Schneefeld, mussten wir aber einige grössere Spalten hinter uns bringen. Nicht ganz einfach. Nach dem Schneefeld dasselbe Spiel, noch mehr Spalten.
Der Blick wurde frei auf den obersten Teil des Gletschers und man konnte den Gipfelgrat sehen, leider auch den Zustieg zu selbigem. Spalten, noch ein paar Spalten mehr und natürlich, aper. Caro war bisher super unterwegs und fühlte sich offensichtlich noch immer wohl. Die Spaltenüberquerungen, fand sie aber auch nur halb so toll. Nun suchte ich nach einem weiteren Weg. Nach links? Nein, zuviele Spalten. Gerade aus? Spalten. Ok also nach rechts. Aber zuerst einen Blick auf die Karte. 50m später, auch hier Spalten. Einige mit Schnee überdeckt aber die Schneedecke hing durch. Soll ich da drüber? In einer 2er Seilschaft? Mit jemandem der zum erstenmal auf einem Gletscher ist?
Nein, ich brach die Übung ab. Zu gross erschien mir die Gefahr, dass etwas passieren konnte. Wir waren völlig alleine in der Gegend, kein Empfang und nur zu zweit am Seil, bei derart vielen Spalten. Und das Labyrinth müssten wir auch noch im Abstieg, mit müden Beinen, auf dem immer noch aperen Gletscher absolvieren. Nein, definitiv, umkehren.

Der Blick zum Südgrat. Durch das Couloir hätten wir hoch gewollt.

Ich war enttäuscht und ein wenig wütend auf meine Fehlplanung. Schade, dass Caro's erste Tour nicht geklappt hat. Sie schien glücklicherweise trotzdem recht happy mit dem erlebten.
Der Abstieg über den Gletscher, war wie von mir erwartet, nicht ganz ohne. Unsere Spur vom Aufstieg, war kaum sichtbar auf dem Eis und das Absteigen auf einem aperen Gletscher ist ganz klar kein Spass.
Auf dem Quergang machten wir auf einer Felsplatte eine Pause, lachten und genossen die herrliche Aussicht über das Tal.
Pausenclowns.
Pausenplatz.
Nach knapp fünfeinhalb Stunden waren wir zurück auf der Hütte. Doch auch ein wenig Müde, denn das Gelände verlangte einiges von uns ab. Kaum ein Abschnitt war einfach so zu begehen. Steil, geröllig, Blockgelände, aper. Alles ziemlich hart, wirklich nicht meine beste Planung.
Schön wars trotzdem, das Bergell ist unheimlich wild und muss unbedingt wieder besucht werden. Ahja, der Gegenanstieg war wirklich scheisse.