Galenstock Südostgrat

Nachdem der Sommer sich verabschiedet hatte, schien es vorbei zu sein mit Touren. Aber Moment, Donnerstag/Freitag sieht es nach besserem Wetter aus. Und da Geraldine ebenfalls spontan frei nehmen konnte, machten wir uns auf die Socken. Der Galenstock Südostgrat war bereits länger auf unserem Radar. Endlich sollte es also klappen.

Mit Geraldines Nellie fuhren wir auf den Furka hoch und nahmen den kurzen Hüttenzustieg in Angriff.

Von der Sidelenhütte aus sieht man den Galenstock in seiner vollen Pracht. Leider auch den aperen Gletscher.

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Blick hoch zum Galenstock. Mit unserer ungefähren Route.

Da die Temperaturen kalt sein werden, hatte ich ausnahmsweise lange Unterhosen und die Daunenjacke eingepackt. Beides wäre im Rückblick nicht nötig gewesen, aber besser man hats dabei.

Um sechs Uhr liefen wir im Mondschein los. Vollmond, was gibts besseres. Die Stirnlampen benötigten wir nur ganz kurz, zwischen dem Geröll, ansonsten war es mehr als hell genug. Bald schon standen wir am Gletscher und seilten uns an. Der Gletscher ist, ich wiederhole mich dieses Jahr, in schlechtem Zustand. Unzählige Spalten mussten wir überqueren oder umgehen. Und zwischendurch noch das schöne Phänomen, wenn es im Eis Spannungsbrüche gibt und ein lautes knacken unter den Füssen ertönt. Auch wenn ich es schon öfters erlebte, erschreckt es mich doch noch immer. Wir kamen trotz den Verhältnissen recht gut voran und sahen bald den Zustieg zum Klettersteig.

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Auf dem Gletscher, rechts geht es an den Klettersteig. Dann von der Scharte links der Kante nach auf den Gipfel.

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Blick auf die Aufstiegsroute während dem Abstieg.

Der Bergschrund ist äusserst eindrücklich. Eine riesige und tiefe Spalte in steilem Firn. Keine Möglichkeit zu sichern, also volle Konzentration.

Der folgende Klettersteig ist, gelinde gesagt, ein Witz. Angegeben ist er mit einer Stunde. Ich stand nach knapp 20 Minuten oben und genoss die Sonne. Klar, der Steig ist praktisch, aber ob das in hochalpinem Gelände wirklich nötig ist?

Der Südostgrat war nun vor uns und wir begannen die Kletterei. Geraldine übernahm die erste Seillänge. Wir planten die Abschnitte gemäss Topo so, dass ich die 5b machen werde. Zügig kamen wir voran. Wir waren alleine unterwegs. Am Südost Sporn waren noch 8 Kletterer, welche auch von der Hütte aus starteten. Kurz bevor wir den Grat beendeten, sahen wir am Südostgrat eine weitere 3er Seilschaft einsteigen.

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G in der zweiten Seillänge.

Nach der vierten Seillänge, stellte ich fest, wir stehen bereits vor der uns von Bildern bekannten Schlüsselstelle. Was jetzt schon? Wir waren verwirrt. Das Topo stimmt in unseren Augen überhaupt nicht.
Ich nahm also die erste Schlüsselstelle in Angriff. Piazzend auf einer abdrängenden Platte drückte ich mich hoch. Wie am ganzen Grat hat es auch hier enorm viele Bolts, also alles ziemlich harmlos. Der kleine überhängende Zug wollte mir nicht im ersten Anlauf gelingen. Ich kletterte einen Schritt zurück und machte Pause. Im zweiten Anlauf gelang es dann Problemlos. Schade brauchte ich zwei Versuche. Geraldine folgte schon bald, auch sie ohne grössere Probleme. Die zweite Krux stand vor uns und G war nun motiviert, sich an dieser zu probieren. Der erste Zug liegt wohl höchstens Menschen mit meiner Körperlänge. Andere müssen ein wenig improvisieren, mit auf Bolts stehen und ein wenig Arsch-support. Die folgenden 2-3 Meter brauchen dann ein wenig Klettertalent. Nach kurzem Überlegen verschwand G um die Kante und richtete den nächsten Stand ein.
Alles was uns noch bis zum Gipfel fehlte war eine weitere einfache Seillänge und einige 100m, in einfachem 2er Blockgelände.

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G kurz vor Ende des Grates.

Geschafft, in ein wenig mehr als 2 Stunden hatten wir den Grat durchklettert. Zufrieden hockten wir uns in die Sonne und verpflegten uns. Nach einem kurzen Gletscherwackel standen wir auf dem Gipfel und genossen die grossartige Aussicht.

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Happy faces all over the place.

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Ganz links die Walliser Viertausender, direkt vor uns alt bekannte wie das Finsteraarhorn. (Vom Gratausstieg aus photographiert)

Der erste Teil des Abstieges ist einfach. Ein wenig Gletscher, ein wenig Geröll, nochmals Gletscher und schon steht man vor der Abseilstelle. Und diese Abseilpiste hat es in sich. Ganze sieben Mal muss man abseilen. Die Wand ist oft senkrecht, teils Überhängend. Die Piste ist unglaublich gut ausgerüstet, wie alles in der Gegend.

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Einer der Stände. Gemütlich auf einem Gitter über dem Abgrund.

Schnell wie der Blitz, waren wir auf dem Gletscher und machten uns an den restlichen Abstieg. Leider, ist auch hier das Gelände nicht gerade gemütlich und es kostet viel Kraft, sich durch die Blöcke und das Eis zu schlängeln.

Müde und glücklich, waren wir nach ein wenig mehr als neun Stunden zurück in der Hütte. 45min später, sassen wir bereits in Nellie auf dem Rückweg nach Zürich.

Das war ein grandioser Ausflug. Alles hat super geklappt, einzig das mit dem Topo, das war komisch.