Gletschhorn Südgrat

Endlich stand mal wieder eine Hochtour auf dem Programm, nachdem der ganze Juni ausfiel. Mit Schmidi aufs Gletschhorn oberhalb des Furkapasses sollte es werden. Eine WS+ Tour mit Kletterstellen bis 4b. Meist klettert man im mittleren 3ten Grad und die Route ist gut versichert mit Bohrhaken wo immer man will. Also ein unterfangen welches uns beiden zum Saisonstart genügen müsste. Schmidi entschied sich die Kletterfinken einzupacken, ich wollte alles in Bergschuhen klettern, ein bisschen Spass muss sein.

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Weil die ÖV Verbindungen auf den Furkapass eher eingeschränkt sind, nahmen wir ausnahmsweise das Auto. Gemütlich absolvierten wir den knapp einstündigen Hüttenzustieg in die Albert-Heim Hütte, welche glorreich auf einer Felskuppe thront. Wie zu erwarten an einem Freitag Abend, war die Hütte fast leer und wir wussten nur von einer SAC Gruppe und einer dreier Seilschaft, welche ebenfalls den Gletschhorn Südgrat in Angriff nehmen wollten.

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Blick von der Albert-Heim Hütte zum Gletschorn, rechts. Der Grat verläuft vom Gletscher her, von links nach rechts auf den Gipfel hoch.

Um viertel vor sechs am Morgen machten wir uns als erste auf den Weg. Da es schon hell war, hatten wir keine Mühe den Pfad zu finden und schon bald waren wir auf dem Gletscher und hielten Ausschau nach einer geeigneten Stelle durch den Felsriegel, welche den Gletscher vom oberen Firnfeld trennt. Problemlos wurstelten wir uns die Plattigen Abschnitte hoch und standen nach ca. 2h am Einstieg des Grates. Eine kurze Pause um alles Material auszupacken und schon machte ich mich an den ersten Abschnitt. Es geht mit einer 3b los, eigentlich kein Problem, aber die erste Seillänge lässt einem häufig im Glauben man hätte jegliches Talent fürs Klettern verloren. Zum Glück legt sich dieses Gefühl schnell wieder und man findet sich mit der neuen Situation, den unglaublichen Tiefblicken zu recht. Nach rechts fällt der Grat gleich von Beginn an einige hundert Meter steil ab und oft balanciert man auf steil aufgestellten Felsplatten, über deren Schneide. Bald schon standen wir unterhalb der Schlüsselstelle. Ein Abschnitt im 4b Bereich. Ich sah mir die Verschneidung, während ich auf Schmidi wartete, schon einmal genauer an und entdeckte vier Bolts, easy. Nun musste sich also zeigen, ob ich für meine Überheblichkeit, alles in den Bergschuhen klettern zu wollen, bestraft werden sollte. Die Verschneidung bietet links praktisch keine Griff und Tritt Möglichkeiten. Rechts siehts dafür besser aus. Mehrere Rinnen erlauben es den Fuss darin zu verkeilen und einen Griff zu finden. Ab dem 3ten Bolt wird die Rinne richtig steil, nicht ganz senkrecht, aber genug um mit einem Rucksack am Rücken den Zug zu spüren. Mit Spreizschritten drückte ich mich langsam hoch. Vor dem vierten Bolt entdeckte ich einen alten Holzklemmkeil in einer der Rinnen. Stellt sich immer wieder die Frage ob man die Hilfe annehmen soll oder nicht. Aber hält der Klemmkeil dann auch? Ich entschied mich nicht drauf zu stehen. Zwei drei anstrengende Züge später wars geschafft. Glücklich grinsend stand ich oben und lachte laut auf, ein Kinderspiel. Schmidi entledigte sich an dieser Stelle seiner Bergschuhe und wechselte auf Finken. Als noch nicht so geübter Kletterer, zusammen mit der Exposition machte das durchaus Sinn. Einige Elvis Einlagen später, stand aber auch er oben, glücklich, dass der schlimmste Teil nun vorbei sein sollte.

Einige knifflige Stellen warteten noch. Die erste war für mich die Wegfindung. Wenn man die Bolts nicht sieht und mehrere Varianten erkennt, muss man sich irgendwann entscheiden. Hochklettern und selbst absichern. Dafür hatte ich ja auch einige Friends und Schlingen dabei. Bald fand ich einen alten Schlaghaken und wusste das ich richtig lag.

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Schmidi im Nachstieg.

Eher mühsam war auf dem flacheren Gratabschnitt das hoch und runter zwischen den einzelnen Zacken und Blöcken. Das Seil hatte enorm Reibung und ich musste anhalten um mir erst fünf Meter oder mehr Seil hochzurupfen, bevor ich dann weiterstieg. Da das Gelände aber im 3a Bereich war, machte ich mir keine Sorgen.

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Mein Stand ist hier ein Felszacken, wunderbar unbequem und anstrengend zum sichern. Leider reichte das Seil ganz knapp nicht bis zum nächsten besser gelegenen Bolt.

Kurz vor dem Gipfel überholte uns ein Sologänger. Ansonsten sahen wir alle anderen Seilschaften immer schön hinter uns, im Abstand von etwa 2 Seillängen, also kein Stress.

Eine kleine Herausforderung war dann noch ein grosser Block, ohne Griffe und Tritte. Der untere Bolt verhindert wohl, dass man vom Grat fällt, aber man wird gut aufklatschen. Nach rechts gehts ca. 300m ins leere und da zögert man doch ganz kurz. Langsam schob ich mich auf den Block hoch und platzierte meine schweren Schuhe vorsichtig auf den wunderbar rauen Granit. Reibungsklettern ahoi. Im Nachstieg wurde diese Stelle für Schmidi jedoch zur grössten Herausforderung, wie er mir später berichtete.

Doch das wars dann schon und wir standen auf dem Gipfel. Sogleich machten wir uns auf den Abstieg. Die anderen Seilschaften kamen näher und wir mussten erst 20m auf der Aufstiegsroute zurück abklettern.

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Blick vom Gipfel zurück auf den Grat mit diversen anderen Seilschaften.

Der Abstieg durch die Westwand, ein brüchiger Haufen, erfordert noch ein wenig
extra Vorsicht. Im unteren Bereich warten dann noch ein paar Abseilstellen, welche wir natürlich prompt nicht fanden. Also nochmals ein wenig zurück hoch und nach rechts queren. Und voila, da war die Abseilstelle. Zweimal Abseilen und wir waren auf dem steilen Firnfeld, welches Schmidi, leider ohne das ich es gesehen hätte, zum auf dem Hintern abrutschen nutzte. Dafür entledigte ich mich am letzten Stand meines ATC's. Etwa 10m oberhalb des Firnfelds ist der dritte Stand, von welchem wir dann abkletterten. Und beim rausknobeln des Seils sprang mir das Ding durch die Finger und weg wars. Ich hab ja viel Erfahrung mit Ausrüstung runterschmeissen. Und wie bisher jedesmal, konnte ich mein verloren gegangenes ATC wieder retten. Als Anmerkung muss ich noch sagen, kurz zuvor hatte ich Schmidi gewarnt, beim ausfädlen des Seiles auf sein ATC aufzupassen, tja, look who's talking.

Kurz vor dem ersten Schauer waren wir zurück auf der Hütte, verpflegten uns, warteten zwei weitere Gewitterzellen ab und rannten dann zum Auto runter. Während bereits wieder Tropfen das nächste Gewitter ankündigten sassen wir im Auto und machten uns auf den Heimweg.