Grassen Südwand

Trotz schlechter Wettervorhersagen wollten Schmidi und ich einen kleinen Ausflug machen. Wir wählten den Grassen oberhalb des Sustenpasses als unser Ziel. Der Aufstieg via die Südwand mit Kletterstellen bis 3b klang verlockend, vorallem aber auch der kurze Zustieg mit 2h.

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Zwei Clowns auf Tour. Links am Hüttenrand unser Ziel, die Grassen Südwand vom Sattel aus.

Der Hüttenzustieg ist noch etwas kürzer, in 40min rannten wir den Leiterliwäg hoch in die Sustlihütte. Kurz vor dem ins Bett gehen kamen dann die grossen Gewitter und wir hofften einfach, dass es am morgen dann besser ist. Als einzige standen wir um 5 Uhr auf. Der Hüttenwart hatte uns das Frühstück raus gestellt und wir assen im Schein unserer Stirnlampen gemütlich ein Müsli. Um 5.20 Uhr, kam wie auf dem Radar zu sehen, eine kleine Störung die alles schön nass machte. Als wir uns kurz vor sechs aufmachten, hörte der Regen glücklicherweise auf und wir machten uns vorsichtigen Schrittes über die Gletscherschliffplatten, auf den Weg in Richtung Gletscher.

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Unsere ungefähre Route auf und über den Gletscher.Danach der Kante entlang hoch.

Wir wählten eine etwas andere Linie um auf den Gletscher zu kommen, als im Führer beschrieben. Links rum, kommt derart viel Geröll zu fliegen, dass wir uns entschieden, über einen Felsvorsprung von rechts her kommend, auf den Gletscher zu steigen. Der mittlere Teil war zusätzlich schon aper und nur noch ganz rechts aussen konnte im Trittfirn aufgestiegen werden. Soweit so gut und nach nicht ganz 2h standen wir bereits im Grassenjoch.

Der erste Blick auf die Südwand offenbarte nichts gutes, alles nass. In bester "gömmer mal go luege" Manier machte ich mich an den Einstieg. 3a, eigentlich keine grosse Herausforderung. Aber nasse Plattenkletterei ist irgendwie immer beschissen. Langsam und äusserst vorsichtig, kletterte ich die ersten Meter nach oben. Nach knapp 8m dann, der erste Haken, endlich. Schlingen kamen nur spärlich zum Einsatz und Friends gar nicht. Der Fels ist oft brüchig und ich sah kaum Möglichkeiten einen Friend zu benutzen. Es war also ein ständiger Kampf mit meinem Kopf, den kalt-nassen Fingern und rutschigen Sohlen. Das eiskalte Wasser des vorigen Schauers, drückte noch immer aus dem Fels. Am ersten Stand angekommen, schaute ich zurück zu Schmidi und fragte mich ob er diese Kletterei sonderlich lustig finden wird, oder ob wir besser umkehren sollten. Nach einem etwas verkrampften Start, schlug er sich jedoch wacker und kämpfte, ähnlich wie ich, seine Finger warm zu halten.
Die zweite Seillänge ist eine 3b. Es geht gleich eine kurze Verschneidung hoch, welche im trockenen Fels bestimmt viel Spass macht, nicht aber wenn die Schuhe kaum halt finden. Vom ersten bis zum zweiten Haken vergehen dann locker 10m. Überhaupt, wie eigentlich immer auf Hochtouren, sind Haken spärlich gesät. Hakenabstände von 10 und mehr Metern sind in diesem Schwierigkeitsgrad eigentlich auch kein Problem, aber eben. An jedem sicheren Tritt verweilte ich kurz, um die Wand zu inspizieren, um nach Haken oder sonstigen Sicherungsmöglichkeiten Ausschau zu halten. Etwa 5 Meter oberhalb des zweiten Hakens, stiess ich auf eine äusserst nasse, plattige und tritt-arme Stelle. 2 Meter unter mir hatte ich zwar noch eine Schlinge gesetzt, aber stürzen wollte ich hier nun wirklich nicht. Einen ersten Versuch brach ich ab und kletterte zwei Züge zurück und überlegte nochmals. Ein wenig fluchen und ein wenig Selbstmotivation halfen dann, eine weitere Trittmöglichkeit zu finden. Ein Bouldermove später war es geschafft und ich war durch.
Da diese Seillänge nun hinter uns lag und nur noch eine 3a wartete, hatte ich keine Zweifel mehr, dass wir das schaffen werden. Die dritte Seillänge bot dann auch nur unterhalb eines grossen Blockes, eine kleine Herausforderung. Die Verschneidung zwischen Block und Wand ist eigentlich harmlos, aber es war ja nass, richtig nass. Schmidi rief im Nachstieg von unten hoch, wo ich denn hier genau durchgeklettert sei. Da ich ihn aus meiner Position aber nicht sehen konnte, war meine Hilfe auf ein "immer schön dem Seil nach" begrenzt, inklusive dummen Lachens.

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Tolle Aussicht vom dritten Stand aus auf das Wasenhorn (Fünfingerstöcke). Das Wasenhorn war unser stetiger akustischer Begleiter. Rechts erkennt man auch den ganzen Schutt auf dem Gletscher.

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Blick rüber zum hässlichen Titlis. Der aufmerksame Leser findet auch einen Schmidi auf dem Loo with a View.

Nach dieser Seillänge, beginnt ein Zwischenboden mit einfachem Gehgelände. Wir nutzten dies zur Pause und Schmidi entledigte sich bei herrlicher Aussicht noch ein wenig Ballastes. Zeitlich waren wir super unterwegs und es standen nur noch 3 weitere Seillängen zwischen uns und dem Gipfel. Doch wenn man den Einstieg nicht findet, geht trotzdem noch Zeit verloren. Nach einigem hin und her, entdeckte ich dann endlich den Stand für die vierte Seillänge. Nochmals 3b, aber nun weiter gen Süden gerichtet, endlich in der spärlichen Sonne und somit trocken. Der erste Teil ist gleich ein etwa 5 Meter hoher senkrechter Turm. Endlich konnte ich grinsend zupacken und die Kletterei in vollen Zügen geniessen, trockener Fels ist schon ein Spass. Die letzte Seillänge, hat nur zu Beginn zwei kleinere Schwierigkeiten. 4 Meter abklettern und einige ausgesetzte Züge, danach maximal noch 2er Gelände. Vom letzten Stand aus, sind es nochmals knapp etwas mehr als 50 Meter im 2ten Grad. Sobald das Seil aufgebraucht war, machte sich Schmidi am laufenden Seil in den Nachstieg. Nach 4.20h erreichten wir den Gipfel.
Zufrieden machten wir uns sogleich auf den Abstieg, schliesslich waren immer noch Gewitter möglich. Der Normalweg, ein L, war dementsprechend einfach und nach 6h waren wir zurück in der Hütte.

Wieder einmal eine tolle Tour mit Schmidi und unser Zusammenspiel am Seil wird auch immer besser.

Eine nette Übersicht der ersten paar Seillängen.(Ab dem zweiten Stand sind die Stände nicht mehr korrekt eingezeichnet.) http://www.sustlihuette.ch/downloads/grassensued.pdf