Gross Diamantstock Ostgrat

Eigentlich war der Plan, mit Jeannine auf Tour zu gehen. Leider ist aber ihr Fuss noch immer nicht richtig geheilt, somit musste eine alternative her. Stef hatte glücklicherweise Zeit und wir suchten uns eine Tour. Mit ihm war ich bisher erst einige male Klettern, aber sein Können ist unbestritten.

Der Gross Diamantstock Ostgrat sollte es fürs erste werden. Wir planten für vier Tage, jedoch musste ich ihm gleich sagen, dass es bei mir mit meinen Gebrechen, nicht ganz einfach werden würde. Mit dem Auto fuhren wir den Grimsel hoch und machten uns auf den kurzen Weg in die Bächlitalhütte.

Small image
Die Hütte in der herrlich gelegenen Gegend.

Die Wetterprognose war für den Gipfeltag eher schlecht, mit Gewittern und Schauern. Trotzdem entschieden wir uns, kurz vor 4 Uhr aufzustehen und die Lage zu betrachten. Ausser uns wollten ein Bergführer mit Gast und ein Päärchen den Grat machen. Ein kurzer Blick aufs Niederschlagsradar machte uns Mut und alles sechs machten sich auf den Weg durch die Dunkelheit. Eine erste mühsame Stelle, war mit dem Gletscheraufschwung erreicht. Ausgeapert, mit Schutt bedeckt und Anfangs kurz steil, nicht gerade schön. Bis zum Einstieg für die erste Seillänge benötigten wir kaum 2h. Alle drei Seilschaften standen ca. gleichzeitig am Einstieg und wir liessen dem Bergführer den Vortritt. Wohl wissend um die Geschwindigkeit, die ein Führer selbst mit einem nicht so geübten Kunden hat. Die ersten Seillängen sind gleich knackig mit 4b/c bewertet und plattig. In Bergschuhen und mit klammen Fingern eine nette Herausforderung. Stef machte sich an den Vorstieg und bald darauf folgte ich. Wir versuchten wenn möglich zu überschlagen und den Vorstieg abzuwechseln.

Small image
Der Bergführer in der ersten Seillänge.

Kurz nach dem Start folgt ein schmaler Grat, welchen ich leicht kauernd überquerte. So früh am Morgen, ist mein Gleichgewichtssinn noch nicht voll funktionsfähig, deshalb lieber ein bizzeli vorsichtig. Danach kommt eine kurze Scharte und ein 4b Kletterzug. Da es gleich an der richtigen Stelle einen Bolt hatte und ich noch witzelte, wurde meine Unachtsamkeit mit einem Abrutscher belohnt. Nicht weiter schlimm, da meine Füsse unterhalb gleich wieder fest standen, aber einen guten Ruck am Seil und Haken gabs doch. Stef kommentierte die Aktion mit einem "Ueee Amigo" und grinste mich an. Im zweiten Anlauf, mit ein wenig mehr Konzentration, stand ich dann oben auf dem Block und ging weiter. Den folgenden Abschnitt, bewältigten wir mehr oder weniger am offenen Seil und konnten so gut Tempo machen. Den Bergführer sahen wir in einiger Distanz vor uns, während das Päärchen hinter uns, nur ganz langsam folgte. Einige Tolle Kletterstellen warteten zwischendurch, keine jedoch allzu schwierig.

Small image
Stef balanciert über den Grat.

Die nächste spannende Stelle, ist die Querung einer Steil aufgestellten Platte, in Form einer Haifischflosse. Stef, bewegte sich geschickt bis etwa in die Mitte, um dann von da nach oben an die Kante zu steigen. Am Rand konnte er einen Haken einhängen und sich langsam in die Scharte ablassen. Im Nachstieg folgend, auf Zehenspitzen kletternd, folgte ich. Egal ob Vorstieg oder Nachstieg, an dieser Stelle würde ein Abflug einen hässlichen Pendelschwung mit sich bringen. Also besser sauber stehen. Die letzten zwei Touren, halfen meinem Selbstvertrauen bei solch feiner Kletterei.

Small image
Die Haifischflosse im Rückblick.

Gleich darauf erwartete uns eine weitere 4a/b Platte. Aber bevor ich einsteigen konnte, lachten wir uns erst noch schlapp. Weshalb? Tja, ein Halbmastwurf gelingt halt doch nicht immer auf Anhieb. Beruhigend zu wissen, dass es nicht nur mir ab und an so geht. Die Platte hoch, kostete mich ein paar Nerven, ziemlich ausgesetzt und mit feinen Trittchen, da atmete ich dann doch ein wenig verstärkt.

Die Tour war bisher ein voller Erfolg und machte wahnsinnig Spass, alles was fehlte, war der obligate Versteiger. Und da war er auch schon. Ein Blick aufs Topo hätte genügt, aber wer macht das schon. Stef bewies seine Kletterfähigkeiten, vor allem auf dem Weg zurück an den Stand. Nach Konsultation des Topos, war klar, nach rechts gehts weiter. Ein kleines Buebetrickli via meiner Schulter und er verschwand aus meinem Blickfeld, über mir. Eine Flankenquerung, welche mir überhaupt nicht behagte, führte uns an den letzten kurzen Aufschwung und wir standen auf dem Gipfel. In 5h, also der tiefsten Führerzeit, top. Überhaupt funktionierte unser Team extrem gut. Der Bergführer hatte den Gipfel ca. eine halbe Stunde vor uns erreicht und war bereits im Abstieg. Das Päärchen konnten wir nicht mehr ausmachen, wir nahmen an, dass sie einen der zwei Notausgänge genutzt hatten.

Small image
Ein bisher unbekannter Clown, Stef.

Small image
Traumhafte Aussicht auf das Finsteraarhorn, Lauteraarhorn und Schreckhorn (von links nach rechts).

Der Abstieg folgt nordseitig, unterhalb der Gratkante. Unzählige Steinmannli markieren den idealsten Pfad. In einer Scharte, quert man zurück auf die Südseite und beginnt über bröseliges Gelände, den Abstieg. Im allerletzten Teil, warten dann noch zwei kurze Abseilstellen, um auf den Gletscher zu kommen. Der Schnee verleitet zum Abrutschen, oder Ausrutschen, je nach Risikofreudigkeit.

Small image
Die Gratkante von rechts nach links, mit dem ungefähren Verlauf des Abstieges.

Nach 8h, standen wir wieder in der Hütte und gönnten uns ein Bier. Eine super Tour, mit tollem Wetter und keinen nennenswerten Problemen, so könnte es immer sein. Das Päärchen trudelte ca. 2h später ein. Bevor wir abseilten, meinten wir noch, wir hätten Sie auf dem Grat gesehen. Das war auch tatsächlich der Fall. Doch kurz danach entschieden sie sich, nach der Haifischflosse abzubrechen. Egal, Hauptsache alle noch gesund und munter. Sie erklärten, dass sie fast alles auf Stand sicherten. Eine Taktik die an einem solchen Grat, nicht aufgehen kann.

Am nächsten Tag machten Stef und ich, uns auf den Weg aufs Alplistock. Eine 7h Gratüberschreitung. Da gutes Wetter angekündigt war, sparten wir uns den Blick aufs Radar. Elende Anfänger. Natürlich wurden wir nach einer halben Stunde und ca. 400hm vom Regen erwartet. Wir sassen noch ca. 20min rum und hofften auf eine Besserung, aber die trat nicht ein. Und da im ganzen Talkessel kein Empfang möglich ist, konnten wir auch nicht mehr das Radar überprüfen. Also gings zurück, über nun glitschige Steine und nasses Gras, die steilen Rinnen hinunter. Riesige Störungen überquerten das Gebiet in der Folge. Zwischen zwei Zellen, machten wir uns rasch an den Abstieg auf die Passstrasse. Tja, so sind sie manchmal diese Wettervorhersagen.

Alles in allem 3 tolle Tage, jedoch war mein Körper nun am Ende und mehr ging für mich nicht mehr.