Gross Ruchen Nordwand

Nach längerer Pause (3 Wochenende chillend war mal was neues diesen Sommer) machten uns J und ich mal wieder auf. Und zwar früh morgens um vier Uhr in Zürich mit dem Büssli. Das Ziel war die Gross Ruchen Nordwand, eine ZS Tour mit maximal IIIer Kletterstellen.

Small image
Und so sieht die Wand aus, mit der ungefähren Route.

Wir waren uns im klaren darüber, dass es eine neue Erfahrung sein wird. Noch nie haben wir eine solche Kalkwand durchstiegen. 1200 Meter hoch und doch recht Respekt einflössend.

Der Einstieg ist relativ einfach, eine schuttige und teils grasige Rampe geht es hoch. Oben angekommen entdeckte ich zu meiner Überraschung einen Bohrhaken, hier hätte ich noch keinen erwartet. Oberhalb der kurzen Kletterstelle querten wir einen Kartoffelacker und folgten einem Steinmännchen in die Wand hinein.

Small image
Kurz vor der Rampe, welche wir von Fotos kannten.

Nach der uns bekannten Rampe, gingen wir dem Band folgend weiter. Ausgesetzt und nicht absicherbar, irgendwie schien uns das komisch. Und doch überzeugte ich J das wir weiter da lang gingen, denn auch diese Stellen kamen mir von Fotos bekannt vor (Tja, wenn Leute ihre eigenen Versteiger online stellen). Etwa 50m später war dann für uns Schluss und wir mussten erkennen, dass wir falsch waren. Zurück schien aber auch nicht gerade eine tolle Option. Nach längerer Kartenstudie waren wir uns sicher, wir sind zu tief und schon zu weit in der Wandmitte. Ich sah über mir eine Möglichkeit, höher nach links aufzusteigen und in Richtung vermuteter Route zurückzukehren. Zeitgleich tauchten weitere Seilschaften auf und wir riefen ihnen zu, dass wir falsch liegen. Ich kletterte die Stellen hoch und konnte ein schmales Band finden. Darauf folgte ich, weiter zur linken Wandseite und traf auf den ersten der folgenden Seilschaften. Wir schlossen uns dem Tross von 6 Leuten an und stiegen hoch. Bald erreichten wir den Forellensprung, eine markante Stelle bei welcher die Route nach links abbiegt.

Small image
Der Forellensprung.

Small image
Hier gehts links auf dem kleinen Vorsprung nach oben.

J kletterte links des Bächleins hoch, gemäss Beschreibung, die schwierigste Stelle der Wand, aber naja, für uns war das nach dem Versteiger keine Sache mehr. Noch waren wir zu zweit am Seil, so wie wir das immer machen, Simultanklettern. Nun mussten wir es aber einsehen, das funktioniert hier nicht. Es lösten sich ständig Steine und sichern konnten wir sowieso nicht. Also machten wir es wie die meisten der anderen, wir gingen ohne Seil weiter.

Small image
Tiefblick nach dem Forellensprung.

Small image
Typisches Gelände.

Als grosse Gruppe blieben wir zusammen, zuviel Steinschlag. Überhaupt, die Wand ist übersäht mit losen Gestein und Sand. Kaum fester Fels und alles löste sich. J und ich waren uns bald sicher, sowas machen wir nie wieder. Das macht keinen Spass. Klettertechnisch viel zu einfach, dafür alles lose und rutschig und nicht absicherbar.

Nach einer richtig hässlichen Sand (Spritzbeton) Querung, löste der vorderste einen Stein und das ganze Couloir füllte sich mit fallenden Steinen. Die hinter uns kletternden mussten zur Seite springen und den Kopf einziehen. Aber wir waren uns das alle längst gewohnt. Eins war mir da auch klar, wenn du da einsteigst und ober dir jemand ist, bist du am Arsch.

Small image
Die Spuren durch den Spritzbeton.

Small image
Der Blick hoch in die Wand.

Bald konnten wir auf die seitliche Rinne am linken Wandrand klettern und da war endlich mal der Fels fester. Der Ausstieg folgt durch ein ca. 45 Grad steiles Firnfeld. Nur eine feine Neuschnee Auflage lag auf dem blanken Firn. Das war uns zu heikel um frei aufzusteigen. J seilte sich an und machte sich an den Aufstieg und richtete am Ausstieg mit drei Friends ein Fixseil für den Rest ein. Alle waren dankbar, denn wir waren die einzigen mit Friends und Eisgerät. Und J hatte natürlich die dicksten Eier um vorzusteigen.

Wir hatten die Wand geschafft, nun folgte nur noch der Gipfelaufstieg. Auch hier nochmals leichte Kraxelei. Nach ein wenig mehr als 6 Stunden standen wir glücklich auf dem Gipfel.

Small image
Die Wand kurz vor dem Einstieg.

Small image
Die Wand von der Seite, während des Abstiegs.

Der Abstieg bot dann noch ein wenig Spass mit Spaltenspringen und steilen Schutthängen. Langsam hatten wir genug von dem Gschüdder. 1800 Meter hoch und runter, wir waren Müde.