Gross Spannort
Für einmal gings nicht ins Wallis, dafür ein zweites Mal Richtung Engelberg und Gross Spannort. Zusammen mit Geraldine wollten wir den Gross Spannort via Normalroute erklimmen. Sie hatte vor einigen Jahren Pech während ihrer Grundausbildung mit dem SAC und konnte Aufgrund des miesen Wetters nie auf den Gipfel hoch. Ich war letztes Jahr während des Coaching Kurses bereits oben und freute mich auch wieder in die coole, alte und rustikale Spannorthütte zu gehen.
Weil wir ein wenig spät mit reservieren dran waren mussten wir auf Sonntag/Montag ausweichen, was sich als grossartig herausstellte, zwei Tage perfektes Wetter und gerade mal eine weitere 3er Seilschaft. Also gemütlich am Sonntag zur Hütte hoch. Zuerst wollten wir das Alpentaxi nehmen aber der Herr meinte 60.- zu zweit seien fällig, da verzichteten wir und erinnerten uns daran das wir Füsse haben. Auf dem Rückweg können wir ja dann noch schauen falls wir zu Müde sind. Bald schon erblickten wir die Hütte und konnten mit der Hüttenwartin Silvia, die wir beide bereits von unseren früheren Besuchen kannten plaudern.
Wir genossen noch den wunderschönen Abend und die unglaubliche Stimmung welche zwischen Schlossbergen, Gross Spannort und Titlis herrscht.


Um ca. 5 Uhr krochen wir aus den Feder. Respektive wurden von unseren Mitstreitern und ihren Stirnlampen geweckt. Scheinbar ist es OK in einem Massenschlag mit der Leuchte auf dem Kopf in aller Ruhe zu zweit Decken zu falten, all die Gegenstände zu suchen die man verstreut hat und überhaupt, stört ja niemanden. Silvia hatte mit ihrer Familie ausserhalb der Hütte unter freiem Himmel übernachtet und prompt verschlafen. Machte aber nichts, 5 Minuten später hatten wir unser Frühstück und um 5.35 watschelten wir in die Dämmerung hinein. Zuerst gehts 666m nach oben in die Schlossberglücke. Der Wanderweg ist mehr oder weniger ein Schutthaufen und steil wie sonst was, nicht gerade der gemütlichste Start. Nach eineinhalb Stunden standen wir bereits in der Lücke und genossen die ersten Sonnestrahlen und den Ausblick auf den Schlossberggletscher. Rasch verpflegt, angeseilt, Steigeisen unter die Füsse montiert und weiter gings. Der Gross Spannort muss weitläufig umgangen werden, dies da der Berg eher ein grossers Felssturz ist als ein richtiger Berg. Ununterbrochen kann man den Steinschlag hören und sehen, dabei liegen auch weit unten Blöcke in der Grösse eines Lieferwagens. Dieser Abschnitt zieht sich unheimlich, leicht ansteigend und nie so das man sieht wie weit es noch ist. Nach knapp 3h erreichten wir den Einstieg zur Kletterstelle. Eine Stelle im 3ten Grad, ansonsten 2ter Grad und viele Gehstellen auf Schutt warteten auf uns. Und da Geraldine eine ausgezeichnete Klettererin ist war das natürlich alles keine Herausforderung. Wir kraxelten gemütlich hoch und unterhielten uns währenddessen über verschiedene Sicherungsmöglichkeiten und Techniken welche in einem solchen Gelände eingesetzt werden können. Nach ziemlich genau vier Stunden war der Gipfel erreicht und das bei perfektem Wetter.

Auf dem Gipfel des Gross Spannorts

Weitsicht bis zum Finsteraarhorn
Nach einer kurzen Pause machten wir uns an den langen Abstieg. Wir kreuzten noch unsere 3 Freunde aus der Hütte und seilten uns mit dem 30m Seil insgesamt viermal ab. Das ging flott, wie auch der restliche Abstieg. An der Schlossberglücke klaubte ich meine Halbliterflasche mit Tee unter den Steinen hervor, die hab ich versteckt im Aufstieg, muss man ja nicht umsonst hochtragen. Von der Lücke wären es 55min angeschrieben bis in die Hütte, ich brauchte 25min und Geraldine 35min. Ok wir rannten fast runter. Nach einer kurzen Verpflegungspause in der Hütte machten wir uns auf den Weg nach Stäfeli und dort verzichteten wir gleich nochmals aufs Taxi und stiegen noch weiter bis Füerenalp ab. Insgesamt 2150m Abstieg, aber es ging erstaunlich gut, mein kaputter Körper scheint sich langsam aber sicher an solche Touren zu gewöhnen.

Ein Blick zurück, links oben die drei Zinnen, das ist der Gross Spannort