Il Chapütschin

Und da waren wir schon wieder im Zug in die Berge. Wir? Schmidi und ich. Wir gingen zurück in die Gegend unserer erster gemeinsamen Hochtour, Berninamassiv.

Der Il Chapütschin bliebt mir während meiner SAC Ausbildungswoche, aufgrund des Wetters verwehrt. Als WS+ Tour, genau das richtige um Schmidi ein wenig in die Führungsrolle zu drängen.

Gemütlich machten wir uns von der Corvatsch-Murtel Bahnstation auf den Abstieg (ja richtig, es geht mehr runter als hoch) zur Coaz Hütte. Wir schauten runter ins Rosegtal und witzelten, wie wir doch damals auf dem Heimweg vom Piz Morteratsch gelitten haben. Das Rosegtal zieht sich unglaublich lange, das wussten wir, darum war klar, wir gehen zurück zur Bahnstation. Einige Stunden später, mit einem Bier in der Hand, erschien uns dann plötzlich die Idee, zum See abzusteigen, dort zu baden und dann rauszulaufen als unglaublich gut. Little did we know...and think.

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Die Hütte und unser See für den nächste Morgen.

Um halb sechs machten wir uns auf die Socken und stiegen in Richtung Gletscher. Doch ups, nach 3 Minuten sind wir schon mal falsch abgebogen. Glücklicherweise erinnerte ich mich, dass ich Abend noch ein wenig hochstieg und sah das der Weg sich gabelte. Ich hätte nun natürlich in bester Lehrer Manier dem lieben Schmidi, den Fehler unter die Nase reiben können. Wollte ich erst auch, aber ich musste lachen, ich hatte ja selbst noch gepennt. Also hopp die Geiss hoch auf den Gletscher, rein ins Gstältli, auf die Steigeisen gehüpft und ins Seil eingebunden. Aber Moment, Schmidi kämpfte noch immer mit seinem Gstältli. Ich erbarmte mich seiner und half ihm rasch. Ich hatte dasselbe Gstältli und wusste wie einfach man das Gewirr wieder lösen kann.

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Morgenstimmung auf dem Gletscher

Bald schon standen wir am Fuss des Chapütschins, wo ist denn nun diese Aufstiegsrinne? Ist des die rechts oder die links? Mit einigem Kartenlesen und GPS Standortbestimmung begannen wir das hochkraxeln. Nicht gerade hübsch. Super brüchig, unglaublich viel loses Gestein und so überhaupt nicht absicherbar. Also gings ohne Seil hoch, jeder für sich selbst. Schmidi kletterte ausgezeichnet vor über all die Platten und unrat. Das Training der letzten zwei Touren machte sich bezahlt.

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Blick runter in die Rinne.

Nach nur 2.30h waren wir bereits auf dem Gipfel.

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Clown feeding.

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Happy dudes.

Der Abstieg war gemütlich. Ein kurze Abseil-Abkletterstelle verlangte ein wenig Konzentration aber ansonsten war alles recht gemütlich. Uns wunderte aber wie viel Wasser die Gletscher runter rauschte. Unglaublich, wie warm es auch in der Nacht war und wie schnell die Gletscher abschmelzen. Wie überhaupt schon den ganzen Sommer alle Gletscher äusserst aper sind.

Und nun zum lustigen Teil, wir wollten ja noch baden gehen. Deshalb erst ein kühles Bier in der Hütte und 45min später waren wir im See. Man glaub es kaum, aber ein Gletschersee ist wirklich kalt. Wirklich wiiiirklich kalt. Aber auch herrlich erfrischend. Nun waren wir am lachen und dachten, bald gibts ein weiteres Bier im Restaurant Roseg, ist ja nicht weit. Ok 1h schnellen Marsches nicht weit. Und von da nochmals 1h im selben Tempo, bis Pontresina. 20km und 1700hm Abstieg, was für zwei Deppen. Unsere Füsse schmerzten, wir scherzten und mein Väterchen kam uns noch entgegen, er war gerade in der Nähe am wandern.

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Blick zurück zum Il Chapütschin, rechts aussen auf dem Gletscher.

Zum Glück, blieb noch kurz Zeit für ein Bier, mit Vater am Bhf Pontresina und dann machten wir uns auf den langen Heimweg. Eine einfache aber wunderbare Tour, mit einem etwas zu langem Abstieg.