Lenzspitz Ostgrat und Nadelhorn
Wallis again, mit Jeannine of course. Nach dem Nadelgrat letztes Jahr fehlte uns eigentlich nur noch die Lenzspitze um die Mischabelgruppe zu beenden. Der Ostgrat der Lenzspitze reizte uns schon länger, angeblich eine der besten Klettereien der Alpen. Gemäss der Hüttenwartin (btw. eine der geilsten Hüttencrews ever, alles Frauen und alle immer mit einem riesen Lachen im Gesicht) sollten die Verhältnisse einigermassen ok sein. Ein wenig anspruchsvoller als normal, weil Schnee. Natürlich, immer noch Schnee. Zwei Tage zuvor gabs nochmals etwas oben drauf, tja. Dafür waren bereits einige Seilschaften am Tag zuvor oben, also konnten wir uns eine Spur freuen. Speziell im Ausstieg in die 50 Grad steile Nordwand würden wir uns bestimmt nicht über eine Spur ärgern.
Samstag morgen um Punkt 3 Uhr (ich war für einmal schnell) gings los. Auf unsere Route wollten noch drei andere Seilschaften (später folgten noch 5 Leute aber dazu später). Wir stiegen als zweite Seilschaft nach ca. einer Stunde in die einfache Gratkletterei ein. Mit Steigeisen und Handschuhen in vollständiger Dunkelheit. Flott gings voran bis uns ein französischer Führer mit seinem Gast unterquerte. Wir hatten eine etwas anspruchsvollere Route gewählt und verloren so unseren zweiten Platz. Ein paar Steine kamen dann von den zweien auf uns runter aber wir beschwerten uns nicht, kann ja passieren. Ein wenig weiter vorne hatten sie Probleme und Jeannine ging vorbei und ich wartete bis das Seil wieder gestreckt war, wir kletterten am laufenden Seil ohne zu sichern. Da fragte mich der Führer was ich machen wolle ob ich nicht nachgehe. Leicht verwirrt stellte ich fest, dass er wenn ich nicht reagiert hätte uns ins Seil geklettert wäre, also ging ich weiter auch wenn das nicht das war was ich wollte. Ich erwähnte dies kurz Jeannine als ich zu ihr Aufschloss und wir wunderten uns ob diesem Verhalten.
Nun, der erste Steilaufschwung. Der Vorsteiger der ersten Seilschaft war soeben am Anfang der Kletterstelle und wir begannen zu warten und entledigten uns unserer Steigeisen. Der Franzosenführer schloss auf, zog ebenfalls die Eisen aus und dann löste ich einen Block der in seine Richtung rutschte. Er fluchte mich an ich solle aufpassen und und und. Ich entschuldigte mich bevor er einen ersten Ton rausbrachte was ihn aber nicht daran hinderte los zu motzen. Ich entschuldigte mich weiter und wies daraufhin, dass ich mit einem Tritt einen Meter weiter vorne den Stein auslöste und das passieren könne. Dann erwähnte Jeannine, dass er und sein Gast uns vorher auch ordentlich Material auf den Kopf warfen und er sich nicht so aufführen müsse. Er glaubte uns dies nicht wirklich und mötzelte es sei keine Entschuldigung das ich einen Stein ausgelöst hätte. Ich ermahnte alle man könne sich jetzt beruhigen ich hätte mich entschuldigt und gut jetzt. Aber dann gings los, er stieg über unser Seil und dann mitten ins Seil der ersten Seilschaft. Er kreuzte also völlig entspannt zwei Seilschaften und brachte somit 6 Leute in Gefahr aus dem Grat zu fliegen, falls einer stürzt. Wir versuchten noch was zu sagen aber sorgten dann dafür, dass wir nicht mehr in diesem Knäuel waren und zogen uns nach links zurück. Ein weiterer Führer uns sein Gast wählten nun eine ganz andere Route, denen wars wohl auch nicht mehr wohl und wir liessen alle ziehen. Beim nachklettern holte ich die Dame unseres neuen Freundes innert weniger Minuten ein und durfte wieder warten und noch ein paar mehr Steine fressen, aber mir war das bereits sowas von egal. Weiter gings und es kam eine erste Abseilstelle. Der Franzmann wollte nochmals mit uns reden und laberte etwas von es sei doch ein schöner Tag und wir sollten das alle geniessen und überhaupt. Ich bejahte dies und versuchte Jeannine davon abzuhalten ihm nochmals vorzuwerfen das Rope-crossing selten dämlich ist. Und wie Jeannine dann so ist hat sie ihm angeboten ihm beim selbst abseilen zu helfen, wohl wissend, dass er so schneller ist und wir dann auf ihn Zeit verlieren werden (well played denn der depp fühlte sich jetzt noch ein wenig extra dümmer). Ich seilte hinter ihm ab und bis wir unser Seil wieder zusammen hatten waren alle Seilschaften vor uns im schwierigsten Abschnitt, einer 4a Verschneidung, die gemäss Führerliteratur als brüchig gilt. Wir machten kurz Pause und bestaunten 6 Leute mit lustigen Abständen hintereinander in der Wand und... da waren viele Steine, grosse und kleine und alle flogen sie die Rinne runter und weiter weit weit weiiiit nach unten. Wir staunten ab all dem Gerumpel und entschieden uns schön gemütlich zu warten.
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Die Rinne mit den anderen Seilschaften.

Jeannine in der 4a Rinne.
Die Kletterei der Rinne machte Spass und weit hinter uns erblickte ich noch fünf weitere Bergsteiger, spät dran, aber naja. Die fünf waren nicht zusammen unterwegs.
Nach der Kletterei wartete der steile Firngrat. Bis zu 50 Grad in unserer Spur und nach rechts die Nordwand. Ein Fehltritt und wir schlitteln zu zweit 500m runter, könnte schmerzhaft sein. Die anderen Seilschaften sahen wir bereits am Verbindungsgrat zum Nadelhorn, denen kommen wir nicht mehr in die Quere. Langsam und konzentriert, Schritt für Schritt. Und zwischendurch ein schüchterner Blick in die Wand. Die Nordwand wollte ich eigentlich auch mal machen, aber wenn ich die homogene Schneewand so sehe reizt mich das nun gar nicht mehr. Wie langweilig doch ein solches Treppensteigen ist im Vergleich zur Gratkletterei.

Nach 4.30h. Lenzspitze Ahoi.
Von der Lenzspitze gibts einen kurzen Abstieg auf dem Firngrat und dann gehts zurück in den Fels. Traumhafte Verhältnisse erwarteten uns und wir machten fast komplett alles am laufenden Seil. Der Wind blies uns nun unerbittlich ins Gesicht was die Kommunikation erschwerte und wir uns zum Teil nicht mehr hören konnten.

Der Verbindungsgrat zum Nadelhorn. (Wer genau schaut sieht ein paar der anderen Bergsteiger).
Es gibt auf dem Verbindungsgrat unzählige Türme zu überschreiten und insgesamt 7 Abseilstellen. Wir waren flott unterwegs und sahen die anderen Seilschaften vor uns, liefen aber nie Gefahr nochmals aufzuschliessen. Die meisten Abseilstellen liess ich Jeannine kurz am Seil ab und kletterte dann frei ab. Teils waren die Stellen noch mit Schnee und Eis bedeckt was ohne Steigeisen dann doch ein gewisses Mass an Vorsicht verlangte. Einzig bei einer Kletterstelle musste ich ein wenig suchen um Griffe und Tritte im Fels zu finden. Kurz erinnert man sich dann wo man dieses Manöver gerade macht und beidseitig doch sehr viel Luft ist.
Und nach 2.30h war auch dieser Abschnitt hinter uns gebracht und Jeannine sass zum dritten und ich zum zweiten mal auf dem Gipfel des Nadelhorns.
Wir blickten zurück und wir sahen das die fünf hinter uns soeben erst auf der Lenzspitze eintrafen. Wir hatten sie zuvor das letzte mal kurz vor der ersten Steilstufe erblickt und dachten die hätten alle umgekehrt weil wir sie nie mehr sahen. Die waren ultra langsam unterwegs und hatten noch den ganzen Verbindungsgrat vor sich. Wir sahen sie dann vom Gletscher unterhalb der Nordwand noch auf den Türmen, aber die waren reichlich spät dran und das Wetter begann immer mehr aufzuziehen.


Von links nach rechts der Ostgrat, Lenzspitze, Verbindungsgrat und das Nadelhorn.
Der Abstieg war dann reine Formsache. Entspannt und über den Franzosen lachend watschelten wir in Richtung Windjoch, querten den Gletscher, stiegen in die Mischabelhütte ab und erfreuten uns an etwas kühlem und lachten mit der Hüttencrew weiter.
Fehlte nur noch der Abstieg nach Hannig, nochmals 1000hm, urks. Der Himmel wurde innert kurzer Zeit dunkel und es war klar es kommt schlechtes Wetter auf, hoffen wir mal die fünf haben es noch vom Grat runtergeschafft.
Supercoole Tour und wir hatten einen riesen Spass. Das lassen wir uns auch nicht von einem französischen Führer versauen.