Piz Buin
Endlich mal wieder eine Hochtour, sogar mal wieder mit Schmidi. Am Sonntag gings hoch in die Tuoi Hütte. Super gemütlich von Guarda in nicht mal 2 Stunden haben wir uns auf 2'200m hochgetrieben. Neben ein paar älteren Herren waren wir die einzigen Gäste in der Hütte und auch die einzigen die am nächsten Tag von dieser Seite auf den Buin wollten. Wir ahnten aber schon das von der Schluchtenscheisserseite aus bestimmt noch andere hochwollen.
Unser Plan war es durch das Couloir leicht links der Bildmitte aufzusteigen (zwischen Buin Pitschen und Buin).

Gemäss Führer müssten wir ca. 3h brauchen um via dieser Route auf den Gipfel zu gelangen. Von der Hütte bis zum Sattel am Ende des Couloirs sind es knapp 800hm.
Um 10 nach sechs morgens gings los. Frisch, munter und gut ausgeschlafen machten wir uns auf den Weg. Bald jedoch verliessen wir den eigentlichen Pfad, da wir keine Lust hatten nach rechts auszuweichen um dann zu queren. Also, im Stile eines echten Pellegrinis nahmen wir die Diretissimavariante. Über Grasnarben und Schuttfelder hoch in den Schnee. Auf dem ersten Zwischeboden sahen wir dann das gesammte Couloir vor uns. Schmidi war immer noch guten Mutes also entschieden wir uns nicht um und blieben bei unserer Route. Der eigentliche Normalweg wäre 4-5h lang und das gurkte uns an.
Steigeisen montiert, Gstältli und Seil für den Fall der Fälle auch ausgepackt und mit dem Pickel in der Hand machten wir uns auf, den Firn zu erforschen. Teils kompakt und griffig, teils rutschig, teils eisig präsentierte sich uns der Aufstieg. Nicht weiter schlimm. Aber der Tipp des Hüttenwartes, "haltet euch im Couloir eher rechts" offenbarte sich uns als ziemlich offensichtlich als im Minutentakt kleinere Steine links an uns vorbeisausten.

Einige kleinere Schründe in der Nähe grösserer Felsabschwünge mussten auch noch überwunden werden und dazu mussten wir doch hin und wieder nach links zu den fliegenden Steinen ausweichen. Aber dank Töpfchen auf dem Kopf geht das schon. Im obersten Abschnitt wird das Couloir dann gegen 40 Grad Steil. Da ich alles spurte, meldeten sich schon die Beine das ein oder andere mal. Nach knapp 2.15 wars geschafft und wir Standen auf dem Sattel zwischen Buin und Buin Pitschen.


Zuerst erblickte ich nur eine 2er Seilschaft welche von der Silvrettahütte herkam, doch dann sah ich die Meute von Schluchtenscheissern von der Wiesbadenerhütte. Das wars dann mit unserer Pause, wir machten uns sogleich an den Aufstieg in den Felsen. Denn, nichts mag ich weniger als Stau an einfachen Kletterstellen und noch mehr fliegende Steine. Ok, ich hab dann gleich zu Beginn einen riesen Block gelöst, ups. Anhand der Spuren merkte ich das mindestens zwei Bergsteiger noch vor uns waren, halb so wild. Bald sah ich den einen, am sichern auf Stand. Leicht verwirrt erinnerte ich mich an den Tourenbeschrieb "eine zweier Stelle". Hmmm was zur Hölle sichern die hier. Geblendet von der Sonne versuchte ich den Vorsteiger zu erblicken, und da war er, am Ende eines 50m Seils im Gehgelände. Zwischendurch die Bolts ausgenutzt und Expressen eingehängt. Warum nur, es ist Gehgelände, sind die Ösis derart ängstlich? Also in Steigeisen gleich am ersten vorbei, übers Seil gehopst und weiter nach oben, mit einem Grinsen im Gesicht weil, meine Güte was machen die hier nur. "Stefan, das Seil ist gleich aus!", "Haraaaald ist das Seil schon aus?". Jaja ihr zwei Clowns, die 50m sind aufgebraucht. "Harald, noch 2m dann kann ich einen Stand machen". Oh, einen Stand, na viel Spass und schon war ich an Stefan vorbei und weiter nach oben. Schmidi bekundete keinerlei Probleme mit der einfachen Kraxelei in Steigeisen. Und da war bereits der Gipfel erreicht. 2.40h. Das war doch eher mal wieder sehr schnell. Die zwei Silvrettagänger trafen hinter uns ein und amüsierten sich auch über die zwei Ösis weiter unten.
Im Abstieg dann aber kams noch besser. Die erste Gruppe der Wiesbadener (ca. 100 noch auf dem Gletscher) wurstelte sich die 2er Stelle hoch. Aber wie, sie hatten ein Fixseil gespannt!!! Ca. 20 hatten sich mit Prusiks und Nabelschnüren daran eingehängt. Ohja das sieht sicher aus. Mit Hakenabständen von 15m kann nieeemals etwas schiefgehen. Ausser einer fällt und reist gleich 5 weitere mit. Klar, sterben wird wohl keiner aber das gibt Verletzte. Wir zwängten uns ganz aussen an ihnen vorbei was den Leuten gleich noch mehr Angst machte, das wir abstürzen könnten. Spannendes Detail, der Anfang des Fixseils war um einen Steinblock gewickelt...
Danach gings für uns weiter, das Couloir runter, kein Problem. Schmidi musste sich teils ein wenig überwinden aber knapp eineinhalb Stunden später waren wir in der Hütte und konnten unser Bierchen geniessen.
