Piz Fliana

Lange ist es her seit ich mit Jeannine das letzte mal unterwegs war. Ihr Beinbruch war nun endlich verheilt, sowie auch alle folgenden Verletzungen.

Eine nicht zu schwierige und harte Tour war angesagt, geworden ists der Piz Fliana und das war dann doch eher streng.

Zu zweit, alleine mit dem Hüttenwart verbrachten wir den Abend und schliefen bis sechs Uhr aus. Bei lauschigen -4 Grad gings los. Sogleich über zwei kleine Bäche, über welche eine Holzplanke liegt. Dank dem Spritzwasser waren eben diese, sauber mit einer Glasur aus Eis überzogen. Elegant, wie eine angeschossene Giraffe zappelte ich mich über die erste Planke. J folgte und zog prompt einen Schuh voll Wasser raus. Bei der zweiten Holzlatte hatte es noch mehr Eis, welches ich dann erst mal mit dem Pickel versuchte ein wenig zu entschärfen.

In einem für uns gemächlichen Tempo, machten wir uns auf durch die Schutthänge, nach oben auf den Restgletscher. Ein giftiger Wind zog uns entgegen, dank der Sonne wars aber dann doch nicht zu kalt.

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Ein kleines Fundstück aus früheren Zeiten.

Für den Zustieg zum Grat, hackte ich eine lange Linie an Tritten in den gefrorenen Schnee. Alles ging gut, bis zum zweitletzten Tritt. Da hackte ich mir gekonnt, mit dem Pickel ins Schienbein. Trottel. Zum Glück blutete es nur und die Schmerzen liessen bald nach.

Nun leider im Schatten und dementsprechend kalt, kraxelten wir auf dem Grat los. Eine erste heikle Querung mit Wasser-Eis, liess uns ein wenig langsamer vorangehen. Kurz darauf standen wir unterhalb der Krux der Tour, einer 3c Stelle, ohne Haken, dafür mit brüchigen Fels. Unsere Hände waren durchfrorenen und klamm, hilft irgendwie auch nicht beim klettern. Zweimal beherzt zulangen und wir hatten auch dieses Hindernis überwunden.

Endlich auch wieder zurück in der Sonne, gings gemütlich weiter, über den nun sehr einfachen Grat. Wir entschieden uns am offenen Seil weiterzugehen, macht ja Sinn ein wenig extra Sicherheit zu haben.

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Grat ahoi.

Nach ein wenig mehr als 4 Stunden standen wir zufrieden auf dem Gipfel. Endlich mal wieder mit J. Wir genossen das herrliche Panorama mit Ortler, Bernina und gleich nebenan der Piz Linard.

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Aussicht vom Grat aus.

Der folgende Abstieg hatte es dann aber in sich. Viel Wassereis, steile Schneefelder (welche die Gämsen den Spuren nach zu urteilen offensichtlich runter rennen können) und loses Gestein begleitete uns für die nächsten Stunden. Und als wäre das nicht schon genug gewesen, geht der Abstieg dann noch durch einen steilen Grashang weiter. Am Anfang noch so etwas wie ein Schafpfad, danach nur noch Gras und Alpenrosen, immerhin waren diese am blühen.

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Alpenrosen und son' Zeugs.

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Der Blick zurück in den Grashang (wirkt flacher als er ist, ohni Scheiss). Und eine J gibts auch noch zu entdecken auf dem Bild.

Müde aber zufrieden streckten wir die Füssen in den Bach und begannen über die nächsten Touren nachzudenken. Was gibts besseres als mit schmerzenden Flossen schon weiter zu planen.