Piz Kesch via Keschnadel

Spontan wie eh und je, entschieden sich Schmidi und ich am Mittwochabend, dass wir auf den Piz Kesch gehen werden. Und zwar Donnerstag/Freitag. Das Wetter für Samstag versprach Regen und Schnee, da muss man halt spontan frei nehmen.

Mit dem Auto hoch auf den Albula und kurz in die Chamanna d'Es-cha gewatschelt. Von da hat man auch gleich einen guten Blick auf die Keschnadel, beeindruckend.

Small imageDie Keschnadel von der Hütte aus.

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Und von ein wenig näher. Von rechts gehts hoch.

Um fünf Uhr früh machten wir uns auf den Weg, als erste Seilschaft. Es folgten noch zwei vierer Gruppen, welche ebenfalls die Nadel machen wollten. Nach ca. 1.45h waren wir am Einstieg der Nadel.

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Morgenstimmung.

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Der Einstieg in den Grat, 2er Gelände.

Erst geht es in einfachem 2er Gelände hoch. Wir absolvierten diesen Teil am laufenden Seil. Eine kurze Plattenquerung und das richtige Klettern konnte beginnen. Es geht gleich los mit einer 4a Seillänge. Leicht zögerlich begann ich den Vorstieg und war dann doch gleich mittendrin. Schmidi kam ähnlich Problemlos im Nachstieg hoch. Dank den letzten Touren, sieht man sein Vertrauen in die Bergschuhe immer mehr wachsen. Nach wenigen Metern Gehgelände, folgte ein 3c Abschnitt und das war nun Schmidis Baby. Souverän, nur ganz leicht Elvis huldigend, stieg er die Seillänge durch. Auch das hat super geklappt. Nicht ganz einfach die Seillänge, umso besser, dass er es so leicht gepackt hat. Eine kurze 2er Passage über einen Plattigen Abschnitt, schoss ich hoch zum nächsten Stand. Der Stand für die Krux des Tages.

Die fünfer Seillänge, der Prüfstein der Tour, war der Grund wieso ich Kletterfinken eingepackt habe. Wie ich also nun da Stand und auf Schmidi wartete, schaute ich hoch und überlegte mir, wie ich hier klettern werde. Und, ich entschied mich, ich probiers in den Bergschuhen. Die ersten paar Meter sind noch harmlos, hoch bis zu einem Fixkeil. Dann gehts vorsichtig nach rechts raus, wo ein Schlaghaken wartet. An ziemlich guten und grossen Vorsprüngen, konnte ich mich locker hochziehen und mit den Füssen in den plattigen Trittchen stehend auf einen kleine Vorsprung hochdrücken. Hier ist dann auch schon der erste Bolt, ca 5m nach dem Start. Ich liess mich sogleich am rechten Arm wieder runter um die Exe welche am Schlaghaken hing wieder mitzunehmen, ich hatte nämlich nur 5 Expressen dabei und ich war mir sicher, das wird so nicht reichen. Leider, entschied ich mich nicht, noch die Expresse vom Fixkeil zu holen, was mir dann später noch zusätzlich Probleme verursachen würde. Von diesem kleinen Vorsprung aus, geht es nun leicht abdrängend/überhängend nach rechts raus in eine Platte. Die Griffe und Tritte sind Mangelware und mit dem Bergschuhen wurde es nun richtig hart. Langsam verlagerte ich mein Gewicht auf den Rechten Fuss, mit welchem ich in einer kleinen Rille halt fand. Mit der rechten Hand, hatte ich einen kleinen Griff und mit links hatte ich ziemlich hoch oben eine Kante, die mir am meisten Support gab. Vorsichtig schob ich mich auf die Platte, um den Überhang herum und dann sogleich ein zwei Trittchen hoch zum nächsten Bolt. Von da, gehts nochmals gerade hoch unter ein kleines Dach. Zum Glück hat es da tolle Untergriffe und ich konnte einen weiteren Bolt einhängen. Sogleich dasselbe Spiel von zuvor, ich holte eine meiner Exen zurück. Um dieses Dach muss man sich wieder nach rechts, schön abgedrängt, drumherum tänzeln. Ich setzte in zwei Rissen, zwei Friends, um mir den Weg zum nächsten Bolt zu versichern. Den zweiten Friend hängte ich aber, sobald ich am Bolt war wieder aus. Auch hier, ist das Ziel eine plattige Verschneidung. Ein relativ grosszügiger Tritt bot dem rechten Fuss guten halt und mit ein wenig suchen, fand ich auch für die rechte Hand einen guten Griff. Zack hoch und ich stand in der Platte. Leicht angespannt, ok völlig untertrieben, ich war richtig angespannt, schaute ich zum nächsten Bolt hoch, ca 2m über mir, der letzte 2m weit links unter mir. Und nun merkte ich auch noch den unglaublichen Seilzug. Durch den Fixkeil, hatte das Seil zusätzlich einen Winkel drin. Die Route ist an sich schon schlecht für den Seilzug, aber nun wurde es richtig übel. Erst dachte ich, Schmidi hätte mir kein Seil ausgegeben, aber leider wars das nicht. Ich musste mit einer Hand das Seil hochreissen, um ein wenig Spielraum zu haben. Die nächsten 2 Meter boten kaum Griffe oder Tritte und für einen Moment bekam ich, den so typischen Tunnelblick, welchen alle Kletterer kennen. Ein kleiner Fluch und der Reminder an mich selbst "ruhig bleiben, durchatmen, warten" folgten. Ich schloss kurz die Augen und begann mich zu entspannen, um dann nochmals mit der Suche nach Griffen und Tritten fortzufahren. Und siehe da, rechts ein Spalt in der Verschneidung bot ein wenig Grip für die rechte Hand. Die linke Hand konnte ich an einer kleinen Leiste platzieren und der Linke Fuss konnte mit Reibung auch vorübergehend halt bieten. Vorsichtig schob ich mein Gewicht auf den linken Fuss, stand auf, zog den rechten Fuss hoch, auf eine nun erreichbare Rille und ich war beim Bolt, wieder safe. Ok nicht ganz so einfach wars, in der Hälfte war das Seil aufgebraucht und ich musste mit aller Kraft aus den Beinen das Seil hochziehen, wieviel Spass das doch macht, wenn man kaum einen Tritt hat. Die letzten ca. 4m waren dann einfacher, aber natürlich begleitet von Fluchen aufgrund des Seilzuges. Leicht abfallende Rillen boten dem linken Fuss relativ gut halt, während ich mich mit den Händen, locker daran festhalten konnte. Geschafft, tatsächlich eine 5b, im Vorstieg, mit Rucksack. Meine Fresse.
Erleichtert sicherte ich mich am Stand und begann Schmidi zu sichern. Erstaunt wie schnell er parat war, begann ich das Seil einzuziehen. Nach ein paar Metern war dann erstmal fertig. Da ich ihn nicht sehen konnte ging ich davon aus er ist am ersten Überhang. Lange ging gar nichts. Ich begann ihn zu ermuntern und rief runter er sei gut gesichert. Nach langem Zögern gings endlich weiter. Ich gratulierte ihm und fragte dann zögerlich "du hast schon die Finken an oder?". Das "Nein", überraschte mich doch sehr. Er kletterte tatsächlich in den Bergschuhen. Das war vielleicht nicht der beste Entscheid. Ich begann zu lachen und rief runter, "na dann viel Spass, es wird nicht einfacher". Nach langem Kampf stand er doch noch ganz oben. Zittrig und ausgepumpt, schickte ich ihn aber gleich weiter den kurzen Gehabschnitt entlang, bis zur nächsten 4a Platte.

Leider haben wir keine Fotos gemacht, warum wohl.

Die 4a übernahm ich auch gleich, er schien mir zu zittrig und brauchte eine Pause. Sehr Plattig und mit zwei Interessanten Bewegungen gespickt, war der Abschnitt durchaus anspruchsvoll, aber nach der 5b, ein Kinderspiel. Noch eine kurze einfache Passage und wir waren nach 4.30h auf dem Gipfel der Keschnadel.

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Gipfelclowning.

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Der Grat von der Nadel aus. Der Hauptgipfel bereits in Sicht.

Die Traverse über den Grat, wird oft als sehr brüchig und heikel beschrieben. Wir fanden es eigentlich gar nicht so schlimm. Nach einem kurzen Abseilmanöver gelangten wir unterhalb der Nadel auf den Grat. 10min später standen wir bereits auf dem Mittelgipfel. Von da ein wenig hoch und runter, mal links mal rechts querend. Typisches Wandergelände in meinen Augen. Gemäss Topo war klar, wir mussten nach der zweiten Scharte in den Osten ausweichen. Die Stelle fanden wir, stiegen in die Ostflanke ab und verstiegen uns.

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Schmidi im Nebel.

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Der Grat und unser Begleiter der Nebel.

Ich interpretierte das Topo so, dass wir ein gutes Stück in der Flanke queren müssen. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob das wirklich falsch war, unglaublich hässlich ist es allemal. Bald schon merkte ich, das wird jetzt richtig heikel. Rutschig, brüchig und wahrscheinlich nicht richtig. Ich konnte aber eine vernünftige Linie sehen, in welcher auch Spuren waren, also ging ich weiter. Nun aber alle 5 Meter eine Schlinge setzend. Glücklicherweise hatte es immer am richtigen Ort einen Felsblock, welchen ich dafür nutzen konnte. Zurück auf dem Grat, ging es gleich weiter auf den letzten grösseren Sporn. Nun blieb ich konstant auf der Schneide. Ich sah auch hier die Spuren unter mir, aber fester Fels ist nun mal fester. Nochmals kurz abseilen und es war praktisch geschafft. Einfache 2er Stellen hochgerannt und tadaaa, der Gipfel des Piz Kesch.

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Der Blick zurück auf den Grat. Die Nadel im Nebel.

Sogleich machten wir uns an den Abstieg, unheimlich schuttig und sandig. Eine 6er Gruppe blockierte eine Abseilstelle, die erste kletterten wir noch locker ab. Da deren Seil bereits eingefädelt war, fragte ich einfach ob wir rasch dazwischen gehen dürfen und an ihrem Seil runtersausen können. Sie bejahten und wir waren vorbei, vielen Dank. Ein wenig Gletschergewackel wartete, oder besser, ich wartete bis Schmidi im fünften Anlauf, seine Steigeisen richtig montierte. Nach nicht mal ganz 2h Abstieg, trafen wir in der Hütte ein und gönnten uns ein Bier.

Eine richtig tolle und abwechslungsreiche Tour. Aber auch lang und dank der 5b, auch technisch im oberen Niveau. Die erste ZS+ für Schmidi, gratuliere.