Piz Linard
Da waren wir schon wieder, Schmidi und ich im Engadin, nur fünf Tage nach dem letzten erfolgreichen Besuch auf dem Piz Buin. Diesmal stand der Piz Linard auf dem Menü. Ausgewählt von Schmidi und mit ZS und einer 3er Gratkletterei nicht gerade ohne. Da Dies für Schmidi definitiv noch ziemlich früh ist für eine ZS Tour haderte ich doch kurz ob ich das machen sollte. Doch, ich kenn ihn ja schon seit 18 Jahren, der Lümmel kann das schon.
Dafür verlangte ich von ihm einiges an eigener Planung um zu sehen ob er sich bewusst ist was er für ein Unterfangen ausgewählt hat. Plus ermahnte ich ihn am morgen das Tempo in der Hütte zu erhöhen, eine Stunde bis Abmarsch ist nicht so optimal.
Los gings in Lavin. Ein wunderbarer Weg quer durch den Wald und dann schnell nach oben. Angeschrieben ist der Hüttenzustieg mit 2.45h, nach 1.50h waren wir bereits mit einem Bier in der Hand glücklich in der Hütte. Eher speziell, die Hütte wird wöchentlich von einer anderen Crew bewartet. Da der Sonntag jeweils der letzte Tag ist, war die halbe Verwandt und Bekanntschaft anwesend. Somit die Hütte leider auch ausgebucht. Dafür war die Hälfte der Besucher bestehend aus jungen Damen... das nimmt man dann schon mal in kauf.
Nach dem Bier kurz ein wenig hoch um den Linard zu betrachten.

Rechts über den Grat hoch (durch die kleine Scharte mit Schnee am rechten Rand) und über die Schneefelder mit vollgas nach unten. Das war der Plan. Im Führer sind 3-4h angegeben für den Aufstieg von 1100m. Davon 400m am Grat selbst mit mehreren Abschnitten im 3a Bereich. Der Linard ist eher ein Schuttberg und somit nicht ganz ungefährlich in Sachen Steinschlag, was ich dann noch sehr genau erfahren durfte.
Eine 7bner Seilschaft startete um halb fünf, sie wollten den ganzen Grat inkl. Linard Pitschen überschreiten. Eine 3er Seilschaft startete ebenfalls um halb fünf, sie nahmen dieselbe Route in Angriff wie wir. Und dann noch um 10vor fünf eine Zweierseilschaft ebenfalls auf unserer Route. Wir, ja wir sind ein bischen faul, wir starteten um halb sechs. Was aber auch völlig ausreicht, ich versuchte die anderen zu überreden nicht so früh zu gehen, aber tja. Also war mir bereits unwohl für den aufstieg durch die Rinne welche sehr steinschlägig ist.
Los gings und bereits am Einstieg der Rinne holten wir die Zweierseilschaft ein. Gleichzeitig auf dem Sattel machten wir aus, wir steigen zusammen auf, da Steinschlag. In dem Moment kam die 7bner Gruppe. Und sie stiegen gleich weiter, weg war der schöne Plan. Den die Clowns begannen sogleich das grosse Steine kullern. Ich versuchte sie in einer ersten 'schwierigeren' Stelle zu unterqueren. Die Deppen hatten Mühe sobald das Gelände ein weeeenig technischer wurde. Ich stieg kurz vor und "STEIIIN" ertönte oberhalb von mir. Eigentlich waren die bereits auf flachem Grund, wie man dort was lösen kann, ein Rätsel. Schon rieselten die ersten Steine vorbei, keine Zeit nach oben zu schauen um Ausweichmanöver einzuleiten und DÄNNNGGGG erster Treffer voll auf den Helm. Nichts gemacht aber ähhh würdet ihr bizzeli aufpassen? Sieben Spassten zu überholen, ein Ding der Unmöglichkeit, vorallem wenn die meinen sie hättens drauf. Zu dritt am kurzen Seil, soweit so gut, aber im 1er/2er Gelände sichern? Fehlanzeige. Ständig in die Flanke ausweichen? Aber 100%ig. Also machten sie so ziemlich alles falsch was man gemäss Führer falsch machen kann "nach Möglichkeit auf dem Grat bleiben, einzig nicht brüchiger Ort". Dann holten wir auch bereits die 3er Seilschaft ein. Sie hatten sich massivst in die Nordflanke verstiegen und eierten schon recht rum, auch sie geplagt durch fliegende Steine. Sie liessen uns sogleich vorbei da sie realisierten wir sind möglicherweise in einer anderen Kategorie unterwegs. Dann eine Südflanken Schneefeldquerung. So vorgesehen im Führer. Die Hampelmänner voraus, wir hinten nach. Gewartet, hinter dem letzten Eingestiegen, da ich dachte "So bin ich nahe falls was kommt". Also hopps hoch das Bein in den Kamin eingestiegen. Ich wusste, wir haben keine Sicherung, ich bin frei unterwegs. "STEEEEIN". Ein ziemlich lautes "jebem ti pitschka mater" entwich mir, schon wieder getroffen, diesmal in den Bauch und auf den Oberschenkel. Ein rechter Brocken. Vielen dank nochmals ihr jammerlappen. Danach hielten wir noch mehr Abstand. Ahja, es ist serbokroatisch und wers googlet weiss was ich den Dummspachteln an den Kopf geworfen hab. Bald schon wichen die Vollhorste wieder in die Flanke aus "gratulation, intelligentstest bestanden" und wir hielten uns gemütlich ganz oben auf dem Grat auf.
Und da war auch schon der Gipfel. 2.50h, ups das war schnell.


Nach ca. 20 Minuten erschienen die restlichen Teilnehmer der lustigen Südostgratkletterei und wir machten uns als erste auf den Abstieg. Knapp eineinhalb Stunden später und nach viel Skifahren auf den Schneefeldern zischhhh hallo geliebtes Bier.

Der Grat nochmals in seiner ganzen Pracht. Durch die Schneerinne an der tiefsten Stelle in der Mitte gings auf den Grat hoch.
Das wars dann auch schon. Schmidi's erste ZS Tour. Souverän gemacht und bewiesen, dass er 3er Gelände in vernünftigem Tempo durchsteigen kann. Auch sonst war er top, nervlich nie ein Problem und unsere Kommunikation am Seil hat sich auch verbessert.
Was lernt man aus einer solchen Tour? Erstens, ich kann ZS führen und bin dabei auch schön ruhig und relaxed. Aber nur solange keine Holzköpfe aus Sargans mir nach dem Leben trachten.
Ps. Die dreier Seilschaft hatte noch null Erfahrung in Sachen Hochtouren, auch euch eine herzliche Gratulation "Für Ärzte seid ihr ganz schön dumm", aber hey, sie habens ja auch geschafft. Zwar in 5 Stunden (ach wen interessiert schon die Führerzeit) und mit versteigern die einem an einem schwierigeren Grat durchaus den Kopf kosten kann.