Sustenhorn Ostgrat
Für ein Mal ein Bericht ohne Bilder. Am Morgen wars noch neblig und bewölkt und danach waren Geraldine und ich genug beschäftigt, um nicht noch Fotos zu machen.
Von der Voralphütte gehts kurz nach unten über eine kleine Brücke und danach eine Moräne hoch. Der Einstieg für die ersten 5 Seillängen, hoch zum Brunnifirn, sind mit einem Kreuz markiert. Man kann gut den Blau markierten Haken folgen. Eigentlich wäre es ziemlich einfach zu klettern. Leider hatte es kurz zuvor nochmals geregnet, sodass noch Wasser runter lief. Und das nicht zu wenig. Der Fels war kalt, die Hände und Schuhe nass, definitiv nicht ein gemütlicher Beginn. Obschon die oberen Seillängen nur im 2ten Grad sind, sicherten wir auf Stand, zu rutschig.
Der Brunnifirn hat sich schon weit zurückgezogen. Wir suchten uns einen vernünftigen Weg nach oben, als wir ca. 100m neben uns einen Gletscherabbruch sehen konnten. Könnte eigentlich auch oberhalb von uns passieren, sehr schönes Gefühl. Der Einstieg auf den blanken Eispanzer, gestaltete sich schon ein wenig anspruchsvoll. Auf den Frontzacken die ersten 10m hoch, danach konnten wir relativ gemütlich am langen Seil gehen. Die Einstiegsscharte mit der Schlüsselstelle konnten wir bereits erspähen, jedoch auch die davor liegende Spaltenzone. Ich sah von unten kommend, erst eine gute Möglichkeit von rechts auf eine Zwischenbrücke zu kommen und hoffte von da im Zick Zack durch zu kommen. Leider Nein, bereits auf der ersten Eismauer musste ich erkennen, dass die folgenden Brücklein viel zu klein sind. Hinter mir gähnte eine ca.4m breite Spalte, das Eis schon steil abfallend hinter meinen Füssen. Ich kratzte die oberste Schicht des Firns weg und bohrte zum ersten Mal eine Eisschraube auf einer Tour ein. Eine zweite Schraube wäre von Vorteil gewesen, doch ausgerechnet Heute hatte Geraldine ihre Schraube vergessen, Mist. Ich sicherte Sie bis zur Schraube und ging dann von da selbst weiter. Weit nach links, noch ein wenig weiter, über Spalten und Löcher gestiegen und auf sichererem Grund. Geraldine konnte nachkommen und wir querten anschliessend die restlichen Meter nach rechts, vorsichtig über die letzten zwei drei Spalten. Ein solches Spaltenwirrwarr mit blankem Eis hatte ich bisher noch nie angetroffen. Nach der nassen Kletterei nun das.
Freudig machte ich mich an die 4c, zumindest zuerst. Der erste Bolt ist etwa in 10m Höhe, Gletscherschwund sei dank· Es hängt zwar ein Seil runter, nur leider ist es im oberen Drittel vom Steinschlag arg beschädigt. Also keine richtige Sicherung. Dazu der Fels natürlich auch nass und kalt. Freudig klippte ich den ersten Bolt und schon war ich oben auf der Gratkante. Die folgende 3c ist schon bedeutend einfacher und wir waren auf dem ersten Gehabschnitt.
So weit lief es uns ganz gut. Nach dem Gehteil geht es durch eine schuttige Rinne hoch. Gemäss Führer ca. 100m, keine Ahnung was der meint, 100hm oder 100m lang? Wohl eher ersteres. Bei den roten Felsen gönnten wir uns eine längere Pause und verpflegten uns. Die Querung zurück zum Ostgrat ist ein wenig Freestyle, man kann eigentlich überall langen gehen. Unsere Begleiter, ein Bergführer mit Kunde beispielsweise querte ca. 30m unter uns zurück.
Zürück am Ostgrat sollte es in einigen kurzen Seillängen bis zu den nächsten 4 schwierigeren Seillängen gehen. Dieser Blockgrat Teil zog sich jedoch endlos hin. Zumindest fühlte es sich so an und ich erkannte, 6h sind vorbei. Gemäss Führer sollte der Aufstieg in 5-6 Stunden zu machen sein, oookei. Bei uns wurden es dann 8, aber auch der Bergführer meinte noch, dass diese Zeit schon sehr sehr sehr sportlich sei. Die vier Seillängen waren keine grosse Sache und nach einem weiteren Abschnitt am laufenden Seil, wartete noch der letzte Aufschwung. Ich erkletterte den Quarzturm von rechts, leicht überhängend, ohne Bolts und als kleines extra mit einem vereisten Griff, sehr schön. Ich empfahl G die Stelle links zu umgehen, wäre wohl auch für mich sinnvoller und weniger kräfteraubend gewesen.
Die letzten Meter waren noch reine Formsache und wir sanken ein wenig erschöpft auf dem Gipfel nieder und entspannten uns.
Der Abstieg bot dann noch ein wenig Spass mit Schrund und Spaltenquerungen. Ein Soloist kam uns noch entgegen, was denken sich die Leute nur.
Insgesamt eigentlich eine schöne Tour, aber auch sehr streng und die Zeit scheint mir fast unmöglich einzuhalten. Wir sicherten einzig die schwierigsten Seillängen auf Stand, trotzdem waren wir um einiges zu langsam, wer weiss, vieleicht auch ein Fehler im Führer.